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Das kritische Potenzial der Sprache

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Call for Papers: Thema "Das kritische Potenzial der Sprache" für das Journal für Psychologie 1/2011

Sprache hat als Untersuchungsgegenstand in den Sozialwissenschaften seit dem linguistic turn und im Speziellen in der Psychologie seit dem narrative turn verbunden mit den Arbeiten Theodor Sarbins und Jerome Bruners in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts erheblich an Bedeutung gewonnen. Das geplante Themenheft des Journal für Psychologie möchte über diese Entwicklung hinausgehen und die Bedeutung von Sprache für die Konzeption des Verständnisses des Psychischen und damit des Gegenstands psychologischer Forschung genauer betrachten. Im Besonderen soll es dabei um den Stellenwert von Sprache für kritische Ansätze in der Psychologie gehen.

Ausgehend von den Arbeiten Giambattista Vicos und Johann Gottfried Herders lassen sich zwei unterschiedliche Entwicklungen des Verständnisses von Sprache ausmachen. Auf der einen Seite steht das Verständnis von Sprache als Werkzeug, das von Akteuren eingesetzt wird um sich kommunikativ auseinanderzusetzen. Sprache wird hier zu einer spezifischen menschlichen Fähigkeit, einem zu untersuchendem System, das losgelöst von einer vorhandenen Realität existiert, allenfalls also die Möglichkeit bietet als Werkzeug des Zugangs und der Beschreibung dieser Realität gebraucht zu werden. Sprache ist hier also kein aktives, gestaltendes Element, sondern lediglich eine Fähigkeit zum Beschreibenden und Erfassenden, zum Austauschen über eine Realität.

Die andere Seite versteht Sprache bzw. den Versuch der Definition von Sprache immer auch als einen Versuch das In-der-Welt-sein von Individuen zu beschreiben. Kategorien wie „Welt“, „Gesellschaft“, „Realität“, „Sprache“, etc. werden verstanden als Konstruktionen mittels Sprache, die nur durch spezifische Diskurse und zum Zwecke der Analyse von ihr getrennt werden können. Sprache wird in dieser Tradition, statt als passives Werkzeug, als aktive Praxis von Subjekten zur Gestaltung von Welt wahrgenommen. Die Grundlagen für ein solches Verständnis sind wohl in den Arbeiten Mikhail Bakhtins zu finden, und dort im Besonderen in der Einsicht, dass ein Zeichen niemals äquivalent zum Bezeichneten ist, sondern seine Bedeutung aus sozialen Konventionen bezieht. Es ist diese Einsicht, die zum einen ein positivistisches Verständnis von Sprache verwirft, zum anderen aber auch der Auffassung von Sprache als individuelles Mittel der Kommunikation eine Absage erteilt. Sprache wird statt dessen zum sozialen Element durch das Subjekte in einer Gemeinschaft gemeinsam Handeln. Die entscheidende psychologische Wendung Bakhtins ging dann schließlich von Lew Semjonowitsch Wygotski aus, dessen Untersuchungen der Sprachentwicklung als Betrachtung der Internalisierung sozialer Zeichen, also dem Erlernen einer Kultur, verstanden werden können.
Einen weiteren möglichen Ankerpunkt liefert Karl Marx, haben seine Schriften doch sowohl in Bakthin als auch in der kulturhistorischen Schule eine zumindest implizite Präsenz. Genauso implizit bleibt Marxs Verhältnis zur Sprache in seinen Werken. Die deutlichste Referenz findet sich wohl in den Feuerbach-Thesen, in denen er einem idealistischen Verständnis von Bewusstsein ein dynamisch-dialektisches gegenüberstellt. Sprache als praktisches Bewusstsein vereint dort den schöpferischen Charakter von Sprache als Aktivität und Erfahrung mit dem analytischen Charakter von Sprache als sozialen Zugang zur Realität.


Während die oben angeführten Überlegungen lediglich als mögliche Wege zu einem kritischen Sprachverständnis gesehen werden sollen, möchte dieses Themenheft fragen, inwieweit Sprache als Konzept in verschiedenen kritischen Ansätzen in der Psychologie auftaucht. Kann Sprache als per se emanzipatorisches, weil stets gestaltendes und damit kritisches Mittel verstanden werden? Inwieweit kann Sprache bestehende Realitäten transformieren? Ist es möglich mittels Sprache bestehende Illusionen, Ideologien und Fetischformen aufzuzeigen, sie zu entnaturalisieren? Inwieweit lassen sich also unter Einbeziehung sprachtheoretischer Überlegungen kritische Momente in der Psychologie entwerfen?

Wir bitten um die Einsendung von Beitragsskizzen bis zum 31. August 2010 an Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailmdege@bitte-keinen-spam-clarku.edu.



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