Open Access – Auswirkungen einer Informationskrise … als Chance für die Information

Open Access – Auswirkungen einer Informationskrise … als Chance für die Information[1]

Günter Mey & Katja Mruck

Zusammenfassung

Spätestens seit der medienwirksamen Unterzeichnung der »Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities« durch führende Wissenschaftsorganisationen hat die Forderung nach Open Access, dem kostenfreien Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln, auch die deutschen Fachwissenschaften zu erreichen begonnen, so auch die Psychologie. Allerdings sind Erfahrungen mit elektronischem Publizieren im Allgemeinen und ist das Wissen um Open Access als Konzept und als Publikationspraxis im Besonderen immer noch gering. In diesem Beitrag zeichnen wir einige Stationen der Open-Access-Bewegung nach, um dann die Umsetzung der beiden Open-Access-Strategien – das Publizieren in Open-Access-Zeitschriften (der sogenannte »goldene Weg«) und die parallele oder nachträgliche Archivierung von in kostenpflichtigen Zeitschriften veröffentlichten Artikel auf Open-Access-Dokumentenservern (der sogenannte »grüne Weg«) – an einigen Beispielen zu veranschaulichen. Diese Beispiele stehen für einen – allerdings wichtigen – Anfang auf dem Weg, »Wissenschaft als öffentliches Gut« breit zugänglich zu machen.

Summary

Since the »Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities« was signed by numerous significant scientific organizations in 2003, Open Access – i.e. making publicly funded journal articles available for the public – has received a great deal of press attention and has begun to reach German scientists, as well. But still experiences are missing with electronic publishing in general and more specifically with Open-Access publishing. In this article we provide a brief overview of some important milestones in the Open-Access movement, before discussing the two main strategies of the Open-Access provision: publishing in an Open-Access journal (the so called »gold route«) or self-archiving articles in an open-access repository, possibly in parallel with or after publication in a conventional journal (the so called »green route«). The examples we are drawing on indicate that the process of making (social) sciences a public good is only getting started.

»Frei zugänglich im Internet sollte all jene Literatur sein, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen. Zu dieser Kategorie gehören zunächst Beiträge in Fachzeitschriften, die ein reguläres Peer-Review durchlaufen haben, aber auch z.B. Preprints, die (noch) nicht begutachtet wurden, und die online zur Verfügung gestellt werden sollen, um Kollegen und Kolleginnen über wichtige Forschungsergebnisse zu informieren bzw. deren Kommentare einzuholen. Open access meint, dass diese Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte, so dass Interessierte die Volltexte lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen können, ohne finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren jenseits von denen, die mit dem Internet-Zugang selbst verbunden sind« Budapest Open Access Initiative (BOAI) http://www.qualitative-research.net/fqs/boaifaq.htm

1. Ausgangslage: »Krise der wissenschaftlichen Informationsversorgung«

An der Technischen Universität Berlin wurde das Journal für Psychologie (JfP) bereits zum 31.12.2003 abbestellt – obwohl es sich um jene Universität handelt, der mit Gerd Jüttemann, Eva Jaeggi und Heiner Legewie gleich mehrere Unterzeichnende des Aufrufs zur Erneuerung der Psychologie und der damit verbundenen Gründung der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) und zugleich drei der elf Herausgebenden der ersten Stunde des Journals zugehörten.[2] Versuche, die Subskription für das JfP an der für Psychologie zuständigen Fachbibliothek zu verlängern, waren vergebens. Nun ließe der Umstand der Abbestellung eine weitere Geschichte der Grabenkämpfe in der Psychologie (im Allgemeinen und an der TU Berlin im Besonderen) vermuten, also ein Schachzug des Mainstreams, der die Gunst der Stunde nach dem Dienstende der Professor(inn)en bzw. dem Verlassen der Assistenten[3] genutzt hat, um das Organ der wenig geliebten kleineren Gesellschaft unsichtbar zu machen und deren veröffentlichte Debatten und Diskurse aus dem Sichtfeld der Psychologie zu drängen. Auch wenn dies der Stoff ist, aus dem die großen Geschichten gesponnen werden (die hier nicht weiter gesponnen werden soll, ohne zu verhehlen, dass eine solche Geschichte zu erzählen spannend wäre), können die Hintergründe der Abbestellung des JfP auch etwas nüchterner (wenn auch nicht weniger dramatisch) erzählt werden: Das JfP wurde – wie andere Zeitschriften auch – auf eine Streichliste gesetzt, bei der im Umlaufverfahren Voten abgegeben wurden, welche Zeitschriften beibehalten, welche abbestellt werden sollten; ein Vorgehen, das in den letzten Jahren immer häufiger und in immer kürzeren Zeitabständen an vielen Universitäten erfolgte. Und irgendwann traf es das JfP, als nach Ausscheiden der Akteur(inn)e(n) eben keine Voten mehr abgegeben werden konnten.

Hintergrund für solche »Maßnahmen« ist, dass die universitären Budgets – trotz anders lautender politischer Credos – immer knapper werden; dieser Umstand ist hinreichend bekannt, ebenso, dass die Versorgung mit wissenschaftlichen Informationen durch kostenpflichtige Zeitschriften nicht billiger geworden ist, noch werden wird. Weltweit liegen die Preissteigerungsraten für einzelne Themenfelder und Verlage bei 25 bis 35 Prozent jährlich, und Verleger wie Elsevier berechnen zwischen 1.000 und 5.000 Euro für ein einjähriges Abonnement[4].

Im wissenschaftlichen Publikationswesen wird dies unter dem Terminus »Krise der wissenschaftlichen Informationsversorgung« diskutiert. Darunter wird die wachsende Kluft zwischen dem Preis für wissenschaftliche Fachzeitschriften einerseits und der Zahlungsfähigkeit der Bibliotheken andererseits verstanden, die zur Konsequenz hat, dass nicht nur Zeitschriften abbestellt, sondern auch Monografien, insbesondere in den nicht-naturwissenschaftlichen Fachgebieten, erst gar nicht angeschafft werden.[5] Die Zahl der Einrichtungen, die in der Lage sind, auch nur einen Bruchteil der kostenpflichtigen Journals zu erwerben, sinkt zunehmend; anders ausgedrückt: eine wachsende Zahl an Einrichtungen kann ihrem Auftrag zur Informationsversorgung nicht mehr (angemessen) nachkommen. Einige Bibliotheken nehmen sich bereits heute wie bessere »Moderne Antiquariate« aus.

Bis hierher scheint dies zunächst ein Thema zu sein, das vorrangig die jeweiligen universitären Bibliotheken beschäftigt – oder allgemeiner das universitäre Bibliothekswesen und damit generell die Bibliothekswissenschaften. Aber mit der Abstellung von einschlägigen und weniger einschlägigen Zeitschriften gehen Probleme einher, die unmittelbar die Fachwissenschaften selbst berührt: Durch die Nichtverfügbarkeit aktueller Forschungsarbeiten geht der unmittelbare Anschluss an relevante Forschungsergebnisse verloren, die so nur noch eingeschränkt zur Kenntnis genommen werden können. Autorinnen und Autoren können nicht mehr die relevante Literatur (problemlos) einsehen und sich darauf beziehen; und umgekehrt: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den abbestellten Zeitschriften veröffentlichen, werden nicht zur Kenntnis genommen. Damit ist ein Circulus Virtuosus eröffnet, an dessen Ende einzelne Forschende (und deren Institutionen) an Reputation verlieren und – einmal den Bogen etwas weiter gespannt – infolge dessen die deutsche Wissenschaft in einzelnen Themenfeldern und Disziplinen noch randständiger zu werden droht, als sie es ohnehin bereits ist. Dies trifft ganz sicher auf die Psychologie zu, ungeachtet aller Forderungen nach Internationalisierung, die schon vor Jahren bei einem Roundtable während des Dresdener Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychologie angemahnt wurde (siehe dazu Gerd Gigerenzer u.a. 1999): Erst jüngst haben Pfrang und Schneider anhand bibliometrischer Analysen für die Psychologie wieder gezeigt, dass »Deutschland im Vergleich mit den größeren Ländern nach wie vor die niedrigste internationale Wirkung [erzielt]« (2006, 238) – Pfrang und Schneider verweisen allerdings hier nicht auf die u.a. in solchen Diagnosen gegründeten und dieser Tendenz entgegenlaufenden Diskurse zu Open Access.

Wie gesagt – für die Autoren und Autorinnen und für deren Forschungseinrichtungen geht damit ein wesentliches Ziel wissenschaftlichen Veröffentlichens verloren: Denn für jeden Artikel, der nicht zur Kenntnis genommen wird, büßt der Autor/die Autorin einen großen Teil des potenziellen »Impact« ein, der im Falle der Veröffentlichung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften eben zu allererst darin besteht, dass diese rezipiert und zitiert wird – mit all den sich daran anschließenden Folgen für einzelne Wissenschaftler(innen), für ihre Institutionen, für nationale Wissenschaftskulturen und für internationale Anschluss- und Diskursmöglichkeiten – ein Umstand auf den Stevan Harnad (z.B. 2003), der wohl bekannteste Reisende in Sachen Open Access, immer wieder aufmerksam macht.

Verringerte (Bibliotheks-) Abonnements bedeuten eben in erster Linie eine verringerte Lesendenschaft, damit ist das Publizieren in einer nicht sichtbaren Zeitschrift für Autorinnen und Autoren nicht lukrativ, und zwar sowohl nicht für die »namhaften« als auch und gerade nicht für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Denn in einer Zeitschrift zu publizieren, die schwer zugänglich ist, erfüllt nur einen Teil der »publish or perish«-Logik; nämlich eine zusätzliche Zeile im Schriftenverzeichnis. Im größeren Rahmen bedeutet es über kurz oder lang für viele Forschende und ihre Einrichtungen verschlechterte Karriereaussichten und verringerte Chancen für künftige Forschungsvorhaben, da sie über den eigenen (kleiner werdenden) Tellerrand hinaus gar nicht bekannt sind.

2. Das Internet als Distributionsort

Während das Internet in der Psychologie zunächst überwiegend Gegenstand für wissenschaftliche Forschung war (siehe umfassend dazu im deutschsprachigen Raum etwa Döring 2003), ist mittlerweile erkennbar, dass es als Medium und Ort die wissenschaftliche Praxis insgesamt verändert hat: es hat mit E-Mails und Mailinglisten als mittlerweile unverzichtbarem (und für immer mehr Forschende selbstverständlichem) Bestandteil wissenschaftlicher Kommunikation und als Distributions- und Rechercheort für wissenschaftliche Information/Publikation immer mehr an Bedeutung gewonnen: Kaum noch ein(e) Wissenschaftler(in) verzichtet auf eine Webseite, über die Informationen oder Texte zugänglich sind. Ebenso ist mittlerweile auch fast jeder deutschsprachige Verlag mit einer Webpräsenz vertreten,[6] auf der zu allen geführten Titeln Basisinformationen (Abstracts, Leseproben) verfügbar sind, und zunehmend werden auch elektronische Bücher/Zeitschriften – momentan noch überwiegend als Ergänzung zu den Printversionen und noch überwiegend kostenpflichtig – angeboten.

Das Internet ist aber insbesondere dann interessant, wenn über die Potenziale elektronischen Publizierens hinaus (gemeint sind damit insbesondere: schnelle Veröffentlichungszeiten, Einbindung zusätzlicher Datensorten, flexible Platzressourcen sowie unmittelbare Interaktivität/Diskursivität) zusätzlich die Möglichkeit eröffnet, Veröffentlichungen breit zu verteilen, in dem diese – dem Open-Access-Paradigma folgend – kostenfrei und ohne Zugangsbeschränkungen für Forschende, Lehrende und Studierende und für alle anderen, die an den Ergebnissen der Wissenschaft interessiert sind, (weltweit!) zugänglich gemacht werden; die einzige Voraussetzung ist ein Computer mit Internetzugang.

3. Von ArXiv über die BOAI zur Berliner Erklärung: Zur sukzessiven Ausbreitung der Idee des Open Access

Dass mit dem Internet grundsätzlich neue Möglichkeiten wissenschaftlichen Publizierens einhergehen, wurde zunächst in der Physik erkannt: Am Los Alamos National Laboratory in New Mexico wurde mit dem »e-Print archive« (http://arXiv.org/) ein zentraler Server bereitgestellt, über den Preprints, d.h. noch unveröffentlichte Forschungspapiere, für alle Interessierten frei zugänglich waren, und es wurde eine Software entwickelt, die es Autoren und Autorinnen ermöglichte, ihre Preprints dort so zu archivieren, dass andere in dem Gesamtbestand recherchieren und diesen damit für die eigene Arbeit nutzen konnten. Infolge der enormen Resonanz entstanden weitere disziplinäre und institutionelle Volltextserver; ebenso verbessert wurde die Software, die zum Betrieb solcher Server notwendig ist.[7] Mit den Dokumentenservern, auf denen Volltexte eingestellt und recherchiert werden können, ist bereits ein zentrales Medium von Open Access benannt. Im Rahmen der Budapest Open Access Initiative (BOAI, www.soros.org/openaccess/), die weit über die Naturwissenschaften hinausreicht und die Alexander M. Grimwade im »Scientist« im Februar 2002 in einem Atemzug mit Luthers Thesen und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung erwähnte, sind zwei zentrale Strategien definiert, mit denen wissenschaftliche Publikationen frei zugänglich gemacht werden, und die seitdem als der »grüne Weg« und der »goldene Weg« des Open Access als feste Bezeichnungen geführt werden: gold bezeichnet die Veröffentlichung in Open-Access-Journalen, grün die (parallele oder zeitversetzte) Zugänglichmachung von Zeitschriftenbeiträgen (als Preprints oder als Postprints nachträglich zur Printausgabe) über institutionelle, universitäre oder disziplinäre Open-Access-Dokumentenserver (auch als Repositorien bezeichnet) durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst (auch als »Self-Archiving« bezeichnet).[8] Mit beiden Strategien wird ein und dasselbe Ziel verfolgt: In der Regel öffentlich finanzierte wissenschaftliche Informationen9 sollen auch öffentlich – weltweit und kostenfrei – zur Verfügung stehen. Die bereits in der BOAI angelegte Intention, Open Access über den engeren Bereich wissenschaftlicher Zeitschriftenveröffentlichungen hinaus auf kulturelle Güter auszudehnen – ebenso wie die Einladung an Regierungsstellen, Bibliotheken, Zeitschriften, Verlage, Fördereinrichtungen, Stiftungen und Fachgesellschaften zu »weiterführenden Experimenten« und zum Ressourcen-Sharing (http://www.soros.org/openaccess/g/read.shtml/) – wurde durch die im Oktober 2003 mit großer Resonanz (auch in der deutschen Tagespresse) veröffentlichten »Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities« weiter präzisiert.10

4. Rückenwind für eine neue Bewegung

Die Berliner Erklärung – die nur von Institutionen[11] signiert werden kann, bislang sind dies 237 – wurde gleich mit dem Start am 22. Oktober 2003 von vielen wichtigen Einrichtungen und Gremien unterzeichnet; auf deutscher Seite gehören hierzu u.a. der Wissenschaftsrat, die Hochschulrektorenkonferenz, die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Leibniz- und Helmholtz-Gemeinschaft und (als einer der zentralen Initiatoren) die Max-Planck-Gesellschaft (siehe http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/signatories.html).

Anders als bei der Berliner Erklärung waren bei dem Initiativaufruf der BOAI, der im Dezember 2001 startete, als Unterzeichner(innen) neben Institutionen vor allem auch die Einzelwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler angesprochen. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben 4.423 Einzelpersonen und 395 Institutionen die BOAI unterzeichnet (siehe http://www.soros.org/openaccess/view.cfm). Die Resonanz und Aktualität der Forderung nach Open Access wird aber vor allem an der erst seit dem 17. Januar 2007 vorliegenden EU-»Petition for Guaranteed Public Access to Publicly-funded Research Results« deutlich: diese wurde bis Ende August 2007 bereits von ca. 26.000 Einzelwissenschaftler(inne)n und Institutionen unterschrieben (http://www.ec-petition.eu/index.php?p=signatories). Da die Berliner Erklärung, der BOAI-Aufruf und die EU-Petition weiterhin signiert werden können (unter http://www.soros.org/openaccess/sign.shtml bzw. http://www.ec-petition.eu/index.php?p=petition), dürften die Zahlen kontinuierlich steigen.

Dieser Rückenwind ist vor allem auch in den »Zentralen« der Open-Access-Bewegung direkt ablesbar: Das Registry of Open Access Repositories (ROAR, http://roar.eprints.org/) weist 925 Dokumentenserver aus. Das Directory of Open Access Journals (DOAJ, http://www.doaj.org/) verzeichnet dagegen sogar 2.824 begutachtete Open-Access-Zeitschriften (Stand: 6.9.2007; im März 2006 waren es 2.140, im Juni 2005 1.601 und im März 2004 »erst« 801). Derzeit finden sich darunter 75 Zeitschriften, die als »psychologische« Journals eingetragen sind (zum Vergleich: zu Erziehungswissenschaften liegen 194 Einträge vor, für Sozialwissenschaften sind es 124 und für Soziologie nochmals 63).

Weiterer Auftrieb ist zudem dadurch zu erwarten, dass akademische Verlage und wissenschaftliche Fachgesellschaften, die an einem Übergang hin zu Open-Access-Modellen für ihre Zeitschriften interessiert sind, finanziell gefördert werden. Aktuelles Beispiel dafür sind die Zeitschriften des GIGA German Institute of Global and Area Studies / Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien, die in den kommenden zwei Jahren (mit Förderung durch die DFG) als Open-Access-Zeitschriften verfügbar gemacht werden;[12] jüngst hat die DFG ein weiteres Programm eigens für die (nachträgliche) Umwandlung/Transformation in bzw. Gründung von Open-Access-Journalen aufgelegt (siehe http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/formulare/download/12_17.pdf).

In solche breite Akzeptanz und in das Engagement für Open Access fügt sich auch, dass z.B. nach der Sherpa/Romeo-Liste (http://miles.cms.hu-berlin.de/oap/) 92 Prozent der dort registrierten Verlage die Selbst-Archivierung von Pre- und Postprints auf Open-Access-Servern erlauben.[13] Selbst Elsevier – neben Springer der Inbegriff für eine überteuerte Publikationspraxis – hat den Autorinnen und Autoren zugebilligt, ihre Artikel öffentlich zugänglich zu machen.

Und – auf Initiative von Stevan Harnad – haben sich zahlreiche Einrichtungen (darunter in Deutschland die Universitäten Hamburg und Bielefeld) auf eine institutionelle Open-Access-Archivierung für ihre Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verpflichtet. Hier ist weiter mit einer Zunahme zu rechnen, da die DFG (der seit 2000 auch international eine herausgehobene Rolle im Feld Open Access zukommt) über unmittelbar publikationsbezogene Fördermaßnahmen hinaus alle von ihr geförderten Projektnehmer eindringlich auf Open Access verweist.

»Die DFG erwartet, dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse publiziert und dabei möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet (Open Access) verfügbar gemacht werden. Die entsprechenden Beiträge sollten dazu entweder zusätzlich zur Verlagspublikation in disziplinspezifische oder institutionelle elektronische Archive (Repositorien) eingestellt oder direkt in referierten bzw. renommierten Open Access Zeitschriften publiziert werden.« http://www.dfg.de/aktuelles_presse/information_fuer_die_wissenschaft/andere_verfahren/info_wissenschaft_04_06.html

5. Gegenwind oder: Der lange Atem für den Weg in die Praxis

Doch die Darstellung der »Erfolgs«-Geschichte hat eine Kehrseite. Denn die Open-Access-Bewegung hat nach wie vor ein wichtigstes Problem: Abgesehen von einigen kurzen Höhepunkten medialer Aufmerksamkeit finden in Deutschland wichtige Diskurse zu Open Access überwiegend nur in spezialisierten Communities statt,[14] die internationale Vernetzung und die Teilhabe an vorrangigen internationalen Foren[15] wird vor allem durch einige wenige Akteur(inn)e(n) geleistet, und in den Fachwissenschaften steckt die Praxis des Open-Access-Publizierens in vielen Fällen noch in den Kinderschuhen.

Nach einer Studie der DFG (2005) zu Publikationsstrategien unter den von ihnen Geförderten ist

»drei von vier befragten Naturwissenschaftlern und mehr als 85 Prozent der Geistes- und Sozialwissenschaftler Open Access als möglicher Publikationsweg nicht bekannt … Durchschnittlich sind nur rund zehn Prozent aller Zeitschriftenpublikationen in elektronisch frei zugänglichen 'Open Access'-Zeitschriften veröffentlicht worden. In den Naturwissenschaften immerhin ist schon jeder fünfte veröffentlichte Zeitschriftenaufsatz zusätzlich als Postprint über das Internet verfügbar, während die Geistes- und Sozialwissenschaftler diesen Weg kaum nutzen – nur jede zwanzigste Veröffentlichung aus diesem Bereich ist auch im Internet zu finden« (Sietmann 2005).

In den Sozialwissenschaften vermengen sich zudem noch die (Gegen-) Argumente und Themenfelder »elektronisches Publizieren« und »Open Access«; dies eben auch, weil vielen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen weiterhin Erfahrungen mit elektronischem Publizieren fehlen (siehe dazu Mruck & Mey 2001, Diepold 2004): teilweise gelten Online-Veröffentlichungen (obwohl bei den Journals in der Regel ein Peer Review durchgeführt wird, was beispielsweise Voraussetzung für die Aufnahme einer Zeitschrift in das Directory of Open Access Journals ist) immer noch als »junk science«, ein Vorurteil, dem wichtige Gratifikations- und Referenzsysteme insoweit Vorschub leisten, da Veröffentlichung in Open-Access-Zeitschriften – trotz des vielfach dokumentierten (förder-) politischen Willens – in der universitären Leistungsbewertung minimal (wenn überhaupt) honoriert werden.[16] 6. Der schwierige »Fall« Psychologie

In der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ist beim Göttinger Kongress »100 Jahre DGPs« (September 2004) auf der Mitgliederversammlung eine heftige Diskussion um die Haltung zu Open Access entbrannt, an deren Ende (bei erkennbar tlw. geringem Informationsstand zu Open Access) ein »Pro Open Access«-Votum stand, und es wurden im Nachgang auch einige Informationen und Empfehlungen zusammengestellt (http://www.dgps.de/dgps/kommissionen/iuk/20060919urhg.php). Mittlerweile gehört die »alte« Gesellschaft für Psychologie (neben u.a. der Hochschulrektorenkonferenz, der DFG, der Leibniz- und Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der VolkswagenStiftung) zu den offiziellen Unterstützenden der seit dem 2. Mai 2007 freigeschalteten »Informationsplattform open-access.net« (http://www.open-access.net/), die als Verbundangebot von den Universitäten Bielefeld, Göttingen, Konstanz und der Freien Universität Berlin vorgehalten wird und zum Ziel hat, den steigenden Informationsbedarf zum Thema Open Access zu decken, bislang verstreute Informationen zu bündeln und diese für verschiedene Zielgruppen und Szenarien spezifisch aufzubreiten.

Dass solche Aktivitäten erforderlich sind, jedoch keinesfalls ausreichen, sollte gerade für die Psychologie nicht überraschend sein: denn Wissen und Handeln sind, dies zeigen viele Untersuchungen ebenso wie »Alltagsphänome«, keineswegs notwendig gleichsinnig. Dies scheint in Bezug auf Open Access nicht anders. Dass eine mittlerweile wachsende Zahl an Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen annimmt, dass Open Access sinnvoll und auch für die eigene Karriere nützlich sein könnte, bedeutet nicht gleichzeitig, dass sie Open Access als Praxis im eigenen wissenschaftlichen Alltag umsetzen.[17] Es fehlt – und damit befinden sich die Psychologinnen und Psychologien eingedenk der DFG-Umfrage leider in guter (schlechter!) Gesellschaft – an Umsetzungserfahrungen, und dies obwohl neben Informationen auch zunehmend »Infrastrukturen« existieren.

»Der grüne Weg«

Die Diskrepanz zwischen Verfügbarkeit und Nutzung von Infrastrukturangeboten wird u.a. darin deutlich, dass es zwar eine wachsende Zahl an Open-Access-Dokumentenservern gibt, die an deutschen Universitätsbibliotheken vorgehalten werden, aber der Bestand der bisher eingepflegten Veröffentlichungen ist zumeist denkbar gering. Wenn überhaupt, werden Dissertation oder Diplomarbeiten zur Verfügung gestellt, allerdings zumeist auch nicht systematisch. Dies ist u.a. auf uneinheitliche Vorgaben der Promotionsordnungen hinsichtlich der Veröffentlichungsformen zurückzuführen. Im Falle von Diplomarbeiten – demnächst noch mehr bei dem BA/MA- bzw. BSc/MSc-Arbeiten – üben einige Universitäten zudem eine deutliche Zurückhaltung, weil viele – und auch qualitativ nicht unbedingt hochwertige – Abschlussarbeiten sichtbar würden, die die jeweiligen Institut u.U. in schlechtem Licht würden erscheinen lassen. Ein Ausweg scheint hier zu sein, dass nur die Abschlussarbeiten verfügbar gemacht werden, für die eine Empfehlung der Gutachter(innen) vorliegt.

Eine nicht untypische Auswahlliste für universitäre Dokumentenserver findet sich z.B. beim Bielefelder Server für Online-Publikationen (BieSOn)[18] http://bieson.ub.uni-bielefeld.de/opus/dokumentart.php: Zwar sind insgesamt 869 Dokumente verfügbar, davon sind aber 731 Dissertationen. Die nächste größere Gruppe sind »Research Paper« (d.h. Discussionpaper) mit immerhin noch 96 Einträgen. Die restlichen 42 Dokumente verteilen sich auf Monografien (2), Diplomarbeiten (11), Magisterarbeiten (4), Habilitationen (5), Tagungsbeiträge (10), Vortragsmanuskripte (5), Beiträge aus einer Publikationsreihe (4) und Forschungsberichte (1). Aber es finden sich, was den eigentliche Kernbestand von Open Access angeht – nur sechs Zeitschriftenaufsätze und keine [!] Preprints/Preprintsammlungen oder vollständigen Zeitschriftenausgaben (Stand 6. September 2007).

Von den insgesamt in BieSOn eingestellten Dokumenten gehen nur 54 auf die Psychologischen Abteilungen (http://bieson.ub.uni-bielefeld.de/opus/institut.php?fakultaet=27) zurück, wobei hier neben 13 Dokumenten (ohne fachspezifische Zuordnung) die Abteilungen mit naturwissenschaftlichem Profil am deutlichsten vertreten sind: Physiologische Psychologie (8) und Neuropsychologie (10), die anderen Abteilungen weisen in der Regel zwei Dokumente auf.

Deutlich positiver ist das Bild in Konstanz: In KOPS (dem Konstanzer Online-Publikations-System) sind zur Zeit 280 Nachweise für Psychologie auffindbar, was durchaus zu einer Spitzenposition führt. (Mit insgesamt 2795 Einträgen nimmt KOPS den 12. Rang der 78 in ROAR geführten Dokumentenserver aus Deutschland http://roar.eprints.org/index.php?action=home&country=de ein.) Dass in den universitären Dokumentenservern überwiegend Qualifikationsarbeiten archiviert werden, wird auch schnell ersichtlich, wenn die vorhandenen Recherchedienste benutzt werden. Ob nun die »OPUS-Metasuche nach elektronischen Hochschulschriften« (http://elib.uni-stuttgart.de/opus/gemeinsame_suche.php) eingesetzt oder eine Recherche im »OASE Open Access to Scientific Literature«-Katalog (http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/oase/) vorgenommen wird, einem Dienst der Universitätsbibliothek Karlsruhe mit der Möglichkeit, »in den bibliographischen Daten der wichtigsten Dokumentenserver in Deutschland und im Ausland zu recherchieren«: am Ende stellen sich als Treffer doch nur überwiegend Dissertation und Diplomarbeiten ein (immer vorausgesetzt, diese sind in den jeweiligen Katalogen überhaupt gemeldet).

Die Trefferquoten bei solchen Recherchen sind nicht nur ernüchternd, weil die Ergebnisse sich überwiegend eben auf Qualifikationsarbeiten beschränken (und nicht Fachzeitschriftenliteratur als »Open-Access-Kerngeschäft«[19]), sondern weil selbst diese nicht annähernd vollständig zugänglich sind, sei es, weil die Universitätsdatenbanken mit (Online-) Dissertationsverlagen bzw. kostenpflichtigen Diplomarbeitenservern konkurrieren oder weil den Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern die Dienste vor Ort nicht bekannt sind (und in vielen Universitäten weiter zu wenig für deren Nutzung geworben wird). Oder die Dokumentenserver scheinen unattraktiv, da sie als Sammelbecken für sonst nicht Veröffentlichenbares angesehen werden.[20]

Dass zumindest ein Teil der psychologisch relevanten deutschsprachigen Literatur überhaupt sichtbar ist, ist ein Verdienst von PsyDok (http://psydok.sulb.uni-saarland.de/), dem disziplinären Open-Access-Server der Virtuellen Fachbibliothek Psychologie, der von der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek vorgehalten wird (siehe zu anfänglichen Startschwierigkeiten Herb 2004). PsyDok weist gegenüber universitären Dokumentenservern einen wesentlichen Vorzug auf, nämlich die »fachspezifische« Ausrichtung, d.h. die Nutzenden sind (in ihrer Rolle als Lesende oder Beitragende) als Psychologin oder Psychologe angesprochen (eine für Fachrecherchen wesentlichere Zugehörigkeit als die zu einer Universität, der einzelne sich nach Abschluss der Forschung und Studiums-/Dienstende möglicherweise ohnehin nicht mehr »verpflichtet« bzw. »zugehörig« fühlen). Da PsyDok an zahlreiche fachspezifische Datenbanken, Suchmaschinen und Nachweissysteme angebunden ist, sind die hier eingepflegten Dokumente sehr viel sichtbarer als im Falle einer nur institutionellen Archivierung (s. http://psydok.sulb.uni-saarland.de/doku/faq.php#Wo).

Auf PsyDok sind derzeit insgesamt 753 Volltexte (zumeist im PDF-Format) archiviert, die sich wie folgt über verschiedene Dokumentarten verteilen: Immerhin bilden 104 Postprints von Zeitschriftenaufsätzen fast 15 Prozent des Bestandes (es sind allerdings nur vier Preprints eingepflegt). Den größten Teil machen mit über einem Drittel Forschungsberichte aus, da es PsyDok gelungen ist, zum Teil komplette Institutsberichtsreihen zu »migrieren« (also Printversionen elektronisch aufzubereiten und vorzuhalten); zudem finden sich 62 Einträge für komplette Journalhefte. Die übrigen Einträge setzen sich zusammen aus Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten (73), Dissertationen (24), Research Papers (22) sowie jeweils 9 sonstige Dokumente (Vorträge, Vorlesungen, Lehrmaterial).

Obwohl dies mit Blick auf Vor-Open-Access-Zeiten bereits ein Fortschritt ist, unterschreitet das frei verfügbare Spektrum das Maß des Machbaren in erheblicher Weise, was unmittelbar mit der Publikationspraxis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenhängt.

Um hier eine Änderung herbeizuführen, muss über die prinzipielle Verfügbarkeit von Infrastrukturen hinaus viel breiter über Open Access informiert werden (damit Diskussionen auch jenseits der Bibliothekswissenschaften möglich werden): hier ist die Plattform open-access.net die derzeit wichtigste Informationsressource im deutschsprachigen Raum, da dort ganz speziell auch für die jeweiligen Disziplinen wichtige Informationen zusammengetragen sind (siehe für die Psychologie http://open-access.net/de/oa_in_verschiedenen_faechern/psychologie/).

Nichtinformiertsein/Nichtwissen scheint jedoch nur eine Determinante zu sein, die sich teilweise mit einer gewissen Trägheit verbündet (eine wiederkehrende Frage ist: was nützt es, wenn ein Text auch noch auf einen Dokumentenserver verfügbar ist, statt nur in einer Zeitschrift oder auf der eigenen Webseite), da das »Self-Archiving«, das Einpflegen von Texten in universitäre oder disziplinäre Open-Access-Dokumentenserver durch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, zusätzliche Arbeitszeit bedeutet. Hier müssen durch die Betreiber der Server bzw. durch Universitäten und Fördereinrichtungen zusätzliche Anreizsysteme geschaffen werden, wenn den Autorinnen und Autoren die Sichtbarkeit und rasche Verfügbarkeit allein nicht reicht. Anreizsysteme können beispielsweise »Creditpoints« sein, die bei der Budgetierung Berücksichtigung finden (ggf. auch Abzüge bei künftigen Anträgen etc., da die Förderinstitutionen ja Wert auf die Veröffentlichung legen). Zusätzlich werden aufseiten der disziplinären/themenbezogenen Dokumentenserver weitere Mehrwertdienste angeboten.[21]

Und schließlich besteht bei vielen noch Unsicherheit über die rechtlichen Rahmenbedingungen von Open Access: Wiederkehrende Fragen sind bezogen auf den »grünen Weg«, ob Texte, die in einer kostenpflichtigen Printzeitschrift veröffentlicht wurden, überhaupt im Internet zusätzlich zugänglich gemacht werden dürfen, oder bezogen auf den goldenen Weg, die Primärpublikation in Open-Access-Zeitschriften, ob sie eine vollwertige Veröffentlichung ist oder man sich der Gefahr aussetzt, plagiiert zu werden.

Ohne im Einzelnen auf rechtliche Fragen eingehen zu können (siehe dazu http://open-access.net/de/allgemeines/rechtsfragen/) ist prinzipiell wichtig, dass Autorinnen und Autoren das Recht an ihren Texten behalten (und nicht das ausschließliche Nutzungsrecht an die Verlage abtreten). Selbst wenn Autor(inn)en im Falle älterer Texte das ausschließliche Nutzungsrecht an Verlage gegeben haben, erlauben viele mittlerweile nach einer Karenzzeit – zumeist sechs Monate oder ein Jahr – die nachträgliche Archivierung auf einem verlagsunabhängigen Server zur nicht-kommerziellen Nutzung. Preprints (also eine Version des Werks, die noch keinerlei Bearbeitung durch den Verlag oder Gutachter[innen] erfahren hat) können zumeist ohnehin in Repositorien oder auf der persönlichen Webseite eingestellt werden.[22] Da die Verlagspolitiken aber insgesamt recht unterschiedlich sind, empfiehlt sich eine Prüfung des jeweiligen Vertragsformulars[23] und im Zweifelsfall eine Beratungsgespräch mit den Rechtsabteilungen vor Ort (oder eine Rückfrage bei open-access.net).

Gezielte Informationen, zusätzliche Anreizsysteme und klare rechtliche Rahmenbedingungen werden dazu beitragen, dass sich Volltextserver wie PsyDok weiter etablieren können. Dann aber werden sich diese durchaus zu einer grundlegenden Informationsquelle für Psychologinnen und Psychologen entwickeln – und zwar ungeachtet ob Universitätsangehörige oder in der Praxis Tätige, ob Student(in), Promovent(in) oder Professor(in).

»Der goldene Weg«

Wenn einmal der Stand bisher betrachtet wird, scheint der »grüne Weg« aktuell noch beschwerlich, dagegen wirkt es – zumindest auf dem ersten Blick – als ob der »goldene Weg« innerhalb der Psychologie etwas weiter vorangeschritten ist: das DOAJ weist 75 referierte psychologische Open-Access-Zeitschriften nach, das Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID: http://www.zpid.de/redact/category.php?cat=292k) sogar über 200 frei zugängliche Online-Zeitschriften und Newsletter. Darunter sind einige eher interdisziplinär als genuin psychologisch ausgerichtet, viele sind englischsprachig, einige in Spanisch, Italienisch, Holländisch usw. Die vergleichsweise wenigen deutschen Zeitschriften, die geführt werden, bilden in der Regel nicht den Grundbestand der Disziplin ab. Zwei »Fälle«

Interessanterweise hat sich trotz der Positionierung der DGPs zu Open Access die Fachgruppe für Methoden und Evaluation auf ihrer Sitzung in Wien (http://www.dgps.de/fachgruppen/methoden/images/Dokumente/protokoll%202003.pdf), dafür ausgesprochen, ihre im Internet frei verfügbare Zeitschrift Methods of Psychological Research Online (http://www.mpr-online.de/) nach der Fusion mit einer spanischen Methodenzeitschrift zu einer kostenpflichtigen europäischen Zeitschrift umzuwandeln. Diese Zeitschrift, Methodolgy (so der neue Titel der Zeitschrift, im Untertitel ausgewiesen als »European Journal of Research Methods for the Behavioral and Social Sciences«) erscheint seit 2005 im Hogrefe-Verlag; bei vier Online-Ausgaben und einer Print-Ausgabe kosten institutionelle Abonnements 133 EUR, individuelle (für Nicht-Mitglieder der eigens gegründeten European Association of Methodology, http://www.eam-online.org/) 83 EUR plus Versand und Porto.[24] Hogrefe erlaubt allerdings das nachträgliche Veröffentlichen der Postprints (die nicht mit der Original-Druckfassung identisch sind); zugleich untersagt der Verlag gleichzeitig strikt das Publizieren der Preprints.[25]

Das JfP ist den umgekehrten Weg gegangen: nach 14 Jahren kostenpflichtiger Printausgaben (zunächst bei Asanger, dann bei Vandenhoeck & Ruprecht, dort schließlich für 76 EUR bei vier Heften mit einem Umfang von ca. 400 Seiten) erscheint es seit 2007 als Open-Access-Zeitschrift im Pabst Verlag (der sich zunehmend bemüht auch andere Zeitschriften im Open Access zu verlegen, so ebenfalls seit 2007 das »Forum Gemeindepsychologie«; http://www.gemeindepsychologie.de/).

Eingedenk der Reichweite von Online-Texten (Open Access vorausgesetzt[26]) erscheint dieser Weg ein Glücksfall: Das JfP ist damit nun sichtbar und leicht verfügbar für alle Gruppen, die das Journal und die dahinter stehende Neue Gesellschaft für Psychologie erreichen will. Auch hat die NGfP, die das JfP durch Druckkostenzuschüsse aus Mitgliedsbeiträgen getragen hat, nunmehr ein deutlich höheres Budget für vielfältige Anliegen, statt die Mittel wie bisher nahezu ausschließlich für die Finanzierung des Journals zu veräußern.

Indem das JfP nun breit rezipierbar ist, hat sich – um den Ausgangspunkt unseres Textes nochmals heranzuziehen – die Geschichte umgekehrt. Das JfP ist mit diversen Abbestellungen nur kurzfristig aus den Bibliotheken verschwunden, nun ist es auch jenseits der Mauern der Universität und für alle in Wissenschaft und jenseits von Forschung präsent, für arbeitslose Adademikerinnen und Akademiker, für Studierende, für Praktikerinnen und Praktiker sowie für alle, die an psychologischen Fragestellungen interessiert sind; für die Mitglieder der NGfP und ihr nahestehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie deren Insitutionen und Organisationen sowieso. Und damit ist das JfP seinem Ursprung wieder ein gehöriges Stück näher gekommen, nämlich ein Ort zu sein für »Psychologinnen und Psychologen, die in der Praxis sowie Lehre und Forschung tätig sind« mit dem Ziel, »ein kritisches und reflexives Wissenschaftsverständnis der Psychologie weiter zu entwickeln, eine gegenstandsangemessene und gesellschaftlich verantwortliche Forschung und Praxis zu unterstützen und eine Erneuerung der geistes-, kultur-, und sozialwissenschaftlichen Orientierung der Psychologie zu ermöglichen«, wie es im Impressum des JfP programmatisch festgehalten ist.

6. Schlussbemerkung (nicht eine Fußnote): Der »politische« Aspekt

Die Intention, die Kluft zwischen den Psychologinnen und Psychologen zu überwinden, die in der Praxis einerseits und in Lehre und Forschung andererseits tätig sind – und perspektivisch auch zwischen Professionellen (in Wissenschaft und Praxis) und der interessierten Öffentlichkeit – gilt es dann noch weiterzudenken. Hier ergeben sich wichtige Anschlußpunkte aus bereits existierenden Bezügen zwischen der Open-Access-Bewegung und Diskursen über den digital divide: Bereits die Initiativerklärung der BOAI ist zugleich eine Grundsatzerklärung gegen die digitale Kluft, da der von dieser Initiative beabsichtigte Abbau von Zugangsbeschränkungen zu wissenschaftlichen Publikationen zu verstärkter Diskussion und Kooperation ebenso beitragen soll wie zu wechselseitigem Lernen zwischen information rich und information poor (www.soros.org/openaccess/g/read.shtml).

Beispielhaft erwähnt sei in diesem Zusammenhang ein Hintergrundbericht für das französische Institut de l’Information Scientifique et Technique du Centre National de la Recherche Scientifique, der fordert, dass ärmere Länder zukünftig keine umfangreichen Bibliotheken mehr unterhalten müssen, deren Finanzierung sie überfordert, sondern dass freier Zugang zu zentralen Ressourcen für alle möglich sein sollte. Internationale und lokale Investitionen in die informations- und kommunikationstechnologische Infrastruktur sowie verstärkte Anstrengungen, Open-Access-Prinzipien und bereits vorhandene Technologien weltweit besser bekannt zu machen, sollen dabei helfen, die digitale Kluft zu überwinden (Franklin 2002).

Umgekehrt heißt es in der WSIS Declaration of Principles »Building the Information Society: A Global Challenge in the New Millennium« der ersten Phase des World Summit on the Information Society vom Dezember 2003 in Paragraph 28: »We strive to promote universal access with equal opportunities for all to scientific knowledge and the creation and dissemination of scientific and technical information, including open access initiatives for scientific publishing.« Und noch deutlicher als in die offiziellen Erklärungen haben Forderungen der Open-Access-Bewegung in die Civil Society Summit Declaration »Shaping Information Societies for Human Needs« (http://www.worldsummit2003.de/download_en/WSIS-CS-Dec-25-2-04-en.rtf) Eingang gefunden. Zusammenfassend lautet Abschnitt 10.4 der Civil Society Essential Benchmarks for WSIS (http://www.worldsummit2003.de/download_en/CS-Essential-Benchmarks-for-WSIS-11-12-03-en.rtf):

»Free scientific information is a requirement for sustainable development. Science is the source of the technological development that empowers the Information Society, including the World Wide Web. In the best tradition of science, scientific authors donate their work to humankind and therefore, it must be equally available to all, on the Web, in online Open Access journals and online Open Archives.«

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen verwundert es ein wenig, dass die NGfP, der es in ihrer Gründungsphase besonders wichtig war, solche »politischen Anliegen« mitzuformulieren, bislang noch nicht als Unterzeichnerin der verschiedenen Erklärungen aufgetreten ist; Einzelpersonen aus dem Umfeld und unter den Mitgliedern gehören aber bereits von Beginn an zu national wichtigen Open-Access-Akteur(inn)en. Für eine neue Gesellschaft sollte es außer Frage stehen, dass sie sich an dieser wissenschaftlichen Revolution beteiligt – und sei es an dieser Stelle Hand in Hand mit der alten Deutschen Gesellschaft für Psycholologie, die hier eindeutig schneller war.

Literatur

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Bierhoff, Hans-Werner; Joachim Funke, Ulf-Dietrich Reips u. Erich Weichselgartner (2005): Information und Kommunikation 2005:Ein Lagebericht und einige Zukunftsperspektiven. Psychologische Rundschau, 56(3), 212-219. http://www.psycontent.com/query/files/pdf/pru/2005/03/pru5603212.pdf DOI: 10.1026/0033-3042.56.3.212.

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Deutsche UNESCO-Kommission (Hg.) (2007). Open Access. Chancen und Herausforderungen. Ein Handbuch. Bonn. Online verfügbar über: http://open-access.net/fileadmin/downloads/Open-Access-Handbuch.pdf

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Franklin, Jack (2002): Open Access to scientific and technical information: The state of the art. A background report compiled for l’Institut de l’Information Scientifique et Technique du Centre National de la Recherche Scientifique (INIST-CNRS). URL: www.inist.fr/openaccess/en/etat_art.php.

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Mruck, Katja (2007/im Druck): »I continue to receive many e-mails from researchers from literally every continent who have read my article …« – Das Beispiel der Open-Access-Zeitschrift Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS). Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie.

Mruck, Katja u. Günter Mey (2001): Wissenschaftliches Publizieren in Online-Zeitschriften: Über das schwierige Vertrautwerden mit einem neuen Medium. Zeitschrift für Qualitative Bildungs-, Beratungs- und Sozialforschung, 2(2), 205-221.

Mruck, Katja u. Günter Mey (2005): »Open Access« – Freier Zugang zu wissenschaftlichem Wissen. Forum Wissenschaft, 22(3). 58-62. [online verfügbar über http://www.linksnet.de/artikel.php?id=1913].

Mruck, Katja u. Günter Mey (2006): Potenziale elektronischen Publizierens – das Beispiel der Open Access-Zeitschrift FQS. In Karl-Siegbert Rehberg (Hg.), Soziale Ungleichheit – Kulturelle Unterschiede. Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München 2004, Teil 2 (3507-3519). Frankfurt/M.: Campus. (CD Rom).

Mruck, Katja u. Günter Mey (2007/im Druck): Using the Internet for scientific publishing: FQS as an Example. Poiesis & Praxis.

Mruck, Katja; Gradmann, Stefan u. Günter Mey (2004): Open Access: Wissenschaft als Gemeingut. Neue Soziale Bewegungen, 17(2), 37-49 [http://www.fjnsb.de/ auch verfügbar über als leicht überarbeitete Fassung unter: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2-04mrucketal-d.htm].

Pfrang, Horst u. Wolfgang Schneider (2006): Internationale Sichtbarkeit und Resonanz der psychologischen Forschung aus Deutschland. Psychologische Rundschau, 57(4), 224-242 http://www.psycontent.com/query/files/pdf/pru/2006/04/pru5704224.pdf DOI: 10.1026/0033-3042.57.4.224.

Sietmann, Richard (2005): »Open Access« als Publikationsalternative unter Wissenschaftlern kaum bekannt. Heise online, 23.05.2005. URL: www.heise.de/newsticker/meldung/59796

Anmerkungen

[1]

Einige der in diesem Beitrag dargelegten Grundlinien zu »Open Access« haben wir an anderer Stelle ausführlicher skizziert, so u.a. in »Wissenschaft als Öffentliches Gut« (Mruck, Gradmann u. Mey 2004), in »Freier Zugang zu wissenschaftlichem Wissen« (Mruck u. Mey 2005) sowie in Beiträgen, in denen wir Fragen elektronischen Publizierens behandeln (z.B. in Mey u. Mruck 2005, Mruck u. Mey 2006, 2007; Mruck 2007) aufgrund von Erfahrungen mit der von uns herausgegebenen, frei zugänglichen Online-Zeitschrift FQS – Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research. Einen umfassenden Überblick zum Stand und zu Perspektiven von elektronischem Publizieren und Open Access in den Geistes- und Sozialwissenschaften geben Mruck u. Gersmann 2004, allgemeiner für unterschiedliche Wissenschaftsfelder ein Handbuch zu Open Access, 2007 herausgegeben von der Deutschen UNESCO-Kommission, sowie laufend aktualisiert die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Informationsplattform zu Open Access (http://www.open-access.net/). – Die hier veröffentlichte Fassung wurde durch Fördermittel der DFG zu dem Projekt »Integration der Online-Zeitschrift Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (FQS) in die Virtuelle Fachbibliothek Sozialwissenschaften (ViBSoz)« (BIB 44 BEfu01-01) sowie Aufbau eines internationalen Open-Access-Dokumentenservers für die Sozialwissenschaften (INST 12083/2-1) ermöglicht. Für einige ergänzende Hinweise bedanken wir uns herzlich bei Ulrich Herb vom Referat für elektronisches Publizieren, elektronische Archive und Open Access der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB).

[2]

Legewie wechselte 1994 auf eigenen Wunsch in den Wissenschaftlichen Beirat, 1997 kamen mit Heidi Möller und Christoph Klotter (dieser für vier Jahre bis 2001) zwei weitere TU Beschäftigte (damals Wissenschaftliche Assistent[inn]en) und zuletzt 2004 noch Günter Mey (damals noch bis März 2005 mit der Leitung des Faches Entwicklungspsychologie an TU beauftragt) in den Herausgeber(innen)kreis.

[3]

Jaeegi und Jüttemann gingen 2000, Legewie verließ die TU Berlin 2002, Möller 2001

[4]

Siehe dazu auch Andermann u. Degkwitz (2004). Spitzenreiter identifizierte die Cornell University Library, die beispielsweise empfahl, alternativ zu dem jährlichen Subskriptionspreis für das »Journal of Applied Polymer Science« über den Ankauf eines Toyota Corolla, Air-conditioned und mit 3-Jahres-Granatie, nachzudenken (http://astech.library.cornell.edu/ast/engr/about/StickerShock.cfm); die Saarländische Staats- und Landesbibliothek wog jährliche Subskriptionskosten für einzelne Journals gegen mehrjährige Nutzung von schwedischen Ferienhäusern, den Ankauf eines Segelboots und Ähnliches auf (http://www.sulb.uni-saarland.de/preise/).

[5]

Mit Heike Andermann (2003) sind hierfür insbesondere vier Faktoren ausschlaggebend: Erstens finden sich insbesondere für medizin-, technik- und naturwissenschaftliche Fachzeitschriften immense Preissteigerungen; zweitens finden Konzentrations- und Monopolisierungsprozesse auf dem Zeitschriftenmarkt statt, die diese Preispolitiken überhaupt erst erlauben; drittens zeigt sich eine Zunahme an Fachzeitschriften mit der Folge einer erhöhten Nachfrage und viertens liegen restriktive Geschäftsmodelle im Übergang zum digitalen Medium vor, d.h. nachdem zunehmend zu den Printausgaben der Zeitschriften auch die elektronischen Ausgaben angeboten werden, erwerben – je nach Zahlungsfähigkeit – die Wissenschaftsinstitutionen Kontingente, mit denen Zugriffe auf die online abrufbaren Fachzeitschriften erlaubt werden.

[6]

Eine rasante Veränderung, verglichen mit dem Stand beispielsweise für Verlage, die qualitative Forschungsliteratur publizieren, noch vor wenigen Jahren (siehe Mruck u. Mey 2001).

[7]

Neben der eigentlichen Software für den Betrieb solcher Server spielt hier die »Open Archives Initiative« (http://www.openarchives.org/) eine wesentliche Rolle, die sich um Standards für eine serverübergreifende Abfrage von Metadaten (http://de.wikipedia.org/wiki/Metadaten/) der eingestellten Veröffentlichungen bemüht, wodurch die Recherche über unterschiedliche lokale Server hinweg möglich wird.

[8]

Siehe ausführlicher http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23672/1.html zur »Farbenlehre des Open Access«; siehe auch Anmerkung 23.

[11]

Unter Institutionen werden verstanden: »Governments, universities, research institutions, funding agencies, foundations, libraries, museums, archives, learned societies and professional associations«.

[12]

Vergleichsweise früh unterstützte das britische Joint Information Systems Committee Open Access, siehe http://www.jisc.ac.uk/funding_open_access.html; aber auch in anderen Ländern sind die Bemühungen um Unterstützung durch die Politik und andere gesellschaftliche Kräfte zunehmend erfolgreich, siehe hierzu die laufend aktualisierten »Open Access News« unter http://www.earlham.edu/~peters/fos/fosblog.html.

[13]

Siehe für die Statistiken http://romeo.eprints.org/stats.php, für die Liste der Verlage/Zeitschriften http://www.sherpa.ac.uk/romeo.php?all=yes.

[14]

Hierzu gehören insbesondere die Mailingliste INETBIB – Internet in Bibliotheken (http://www.inetbib.de/) sowie die Veranstaltungen von DINI–Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (http://www.dini.de/). Mit dem monatlichen Newsletter von FQS–Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, der seit 2003 eine feste Rubrik mit Informationen zu Open Access aufweist, verhält es sich insoweit etwas anders, als versucht wird, Informationen zu Open Access direkt zu den Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern zu bringen (http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs-d/bezug-d.htm); im Falle von FQS sind dies derzeit annähernd 8.000 Personen aus vielen Disziplinen mit dem gemeinsamen Bezugspunkt »qualitative Sozialforschung«.

[15]

Hier sind neben den bereits erwähnten »Open Access News« insbesondere wichtig das American Scientist Open Access Forum (http://amsci-forum.amsci.org/archives/American-Scientist-Open-Access-Forum.html) und das BOAI Forum (http://www.soros.org/openaccess/forum.shtml).

[16]

»In most universities, publishing in the leading established journals in one’s field is highly rewarded. Often, the systems are quite explicit and include shortlists of journals, numerical weighting schemes etc. Prestige counts much more than wide and rapid dissemination, and easy access.« (Björk 2004)

[17]

Wenn Pfrang und Schneider (2006, 240) angesichts der geringen Zitationsquoten der deutschen Psychologie festhalten, »es genügt nicht auf Englisch zu publizieren oder eine Zeitschrift auf Englisch herauszugeben (Beispiel: Psychological Research seit 1974 in Englisch), wenn es nicht gleichzeitig gelingt, Auflage und Verfügbarkeit und damit die potenzielle Zielgruppe zu erhöhen«, ist dies ein gutes Argument, Open Access als Publikations- und Archivierungsstrategie voranzutreiben.

[18]

BieSOn ist insofern typisch, als dieser Server mit deutlich über 800 Texten die »Mitte« repräsentiert. Es gibt Dokumentenserver mit unter zehn eingestellten Dokumenten, sehr gut aufgestellte haben um 4.000 Einträge. Lediglich vier weisen eine fünfstellige Zahl an archivierten Dokumenten aus, dabei belegt der Max Planck Society Edoc Server (http://edoc.mpg.de/) mit über 90.000 records unangefochten die Spitzenposition. (Wobei anzumerken ist, dass bei weiten nicht in allen Fällen Volltexte verfügbar sind, sondern teilweise handelt es sich auch nur um die bibliographischen Angaben.) Gleichzeitig ist zu beachten, dass derzeit eine ungeheure Entwicklungsdynamik bei den Universitätsbibliotheken zu erkennen ist, so gibt es in Bielefeld neben BieSOn noch den »Bielefelder Text Archiv Server« (BieTAS, http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/), beide, BieSOn und BieTAS, sind wiederum in »BieColl – Bielefeld eCollections« (http://biecoll.ub.uni-bielefeld.de/) integriert.

[19]

Die zentrale Stellung von Beiträgen, die in referierten Fachzeitschriften veröffentlicht werden bzw. dort für eine Veröffentlichung vorgesehen sind, hat mehrere Gründe: Erstens ist in diesen Zeitschriften die Essenz qualitätsgeprüften wissenschaftlichen Wissens enthalten (davon ist, dies zeigt die bereits erwähnte DFG-Studie, auch für die Sozial- und Geisteswissenschaften auszugehen). Zweitens veröffentlichen Autoren und Autorinnen dieses Wissen, ohne hierfür Tantiemen oder Vergütungen zu erhalten und sie werden drittens von ihrer Einrichtung bezahlt bzw. ihre Forschungsprojekte werden (zumeist mit öffentlichen Mitteln) gefördert für die Durchführung wissenschaftlicher Forschungsarbeiten und für die Publikation von deren Ergebnissen.

[20]

In diesen Katalogen und Suchdiensten außen vor bleiben zumeist internationale Dokumente, so z.B. die in »Cogprints« (http://cogprints.org/view/subjects/psyc.html), einem wichtigen Vorreiter des »grünen Weges« archivierten. Bis Juli 2007 wurden dort ca. 1.400 Dokumente zur Psychologie (u.a. Kognitions-, Entwicklungs- und Wahrnehmungspsychologie) nachgewiesen, die von den Autorinnen und Autoren als Pre- oder Postprints eingestellt worden waren. Insbesondere die Nutzung von Cogprints für das Einstellen von Preprints ist herauszuheben, weil damit Texte frühzeitig verfügbar sind und zur Diskussion gestellt werden können und so die langen Zeiten zwischen Verfassen eines Textes und der Printveröffentlichung unterlaufen wird. Quasi auf der anderen Seite aufgespannt ist eine der wohl bekanntesten Textsammlungen innerhalb der Psychologie: die »Classics in the History of Psychology« (http://psychclassics.yorku.ca/). Hier finden sich Online-Versionen von Klassiker(inne)n der psychologischen Literatur, nach Autor(inn)en (u.a. Cattell, Eysenck, Freud, Skinner, Watson u.v.m.) und thematisch geordnet (Entwicklungstheorie, Persönlichkeit, Neuropsychologie, Sozialpsychologie etc.).

[21]

Für PsyDok übernimmt beispielsweise die SULB das Einspielen der Dokumente, in der Universität des Saarlandes selbst wird die freie Verfügbarkeit von Artikeln (in Open-Access-Zeitschriften oder über Repositorien) bei der Universitäts-internen Evaluierung berücksichtigt. Vorgesehen ist zusätzlich, die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Zugriffszählungen für die zwischenzeitlich aufseiten der VG Wort vorgesehene Ausschüttung auch für elektronische Veröffentlichungen automatisiert werden. Siehe zu weiteren Mehrwertdiensten auch das Social Science Open Access Repository (SSOAR), das gefördert durch die DFG derzeit für den Themenschwerpunkt Qualitative Forschung beispielhaft angeschoben wird (http://www.ssoar.info/nutzen-von-ssoar/). Ein weiterer disziplinärer Volltextserver für Pädagogik/Erziehungswissenschaft (PeDoc) ist derzeit im Antragsverfahren.

[22]

Die APA gibt dazu eine mögliche Vorgehensweise an, siehe http://www.apa.org/journals/authors/posting.html; einige Organe sind liberaler, andere wiederum strikter.

[23]

Und eine Streichung der Klausel, die den Verlagen ein ausschließliches Nutzungsrecht gewährt. Eine Orientierung über Verlagspolitiken gibt die Romeo-Liste (http://www.sherpa.ac.uk/romeo.php), in der Auskunft darüber gegeben wird, welche Verlage Selbstarchivierung wissenschaftlicher Publikationen gestatten (sogenannte »grüne Verlage«), eingeschränkt gestatten (»gelbe Verlage« für Preprints bzw. »blaue Verlage« für Postprints) oder untersagen (»weiße Verlage«). Spezielle Zusätze zu Vertragsvereinbarungen können ggf. selbst mit der Copyright Addendum Engine (http://scholars.sciencecommons.org/) der Science Commons generiert werden.

[24]

Siehe http://www.hhpub.com/journals/methodology/index.html

[25]

Allerdings ist bezogen auf die Postprints einschränkend hinzuzufügen, dass für Hogrefe laut DINI/SHERPA Liste vermerkt ist »On author’s or employers web site only after publication«, was im Zweifelsfall wirklich nur die Webseite des Instituts bzw. die persönliche Webseite meint und eben nicht das universitäre (und wohl erst recht nicht das disziplinäre) Repository. Damit aber sind ein sinnvolles Retrieval, die Einbindung in Datenbanken und fachliche Suchmaschinen oder die Langzeitverfügbarkeit und Zitierfähigkeit der elektronischen Versionen nicht gegeben – zum Nachteil der Autorinnen und Autoren bzw. der Sichtbarkeit ihrer Arbeit.

[26]

Ohne dies an dieser Stelle weiter auszuführen, da andernorts hinreichend dokumentiert: FQS (http://www.qualitative-research.net/fqs/) ist in vergleichsweise kurzer Zeit zur international führenden Onlinezeitschrift für qualitative Forschung geworden: Der monatliche Newsletter erreicht bereits knapp 8.000 Kollegen und Kolleginnen weltweit, die monatlichen Zugriffszahlen für die Zeitschrift und für einzelne Artikel sind weit jenseits dessen, was zu Beginn und eine traditionelle Printzeitschriftensozialisation vorausgesetzt denkmöglich gewesen wäre (siehe http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs-d/zugriffe-d.htm für die Zugriffsstatistiken; siehe dazu auch aktuell Mruck & Mey 2007).