Zur empirischen Erforschung weiblicher Erfahrungen von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Vorschlag einer feministisch-kulturpsychologischen Herangehensweise zur Rekonstruktion einer so genannten Sexualstörung

Julia Riegler, Aglaja Przyborski

Abstract


Frauen, die den Geschlechtsverkehr immer wieder schmerzhaft erleben, stehen in der Regel ratlosen ÄrztInnen gegenüber und müssen lange Behandlungskarrieren hinter sich bringen, bis sie – wenn überhaupt – qualifizierte Hilfe erhalten. Auch als Gegenstand wissenschaftlichen Interesses gibt dieses als »Sexualstörung« verstandene Phänomen nach wie vor Rätsel auf. In den einschlägigen medizinisch-psychologischen Diskursen wird hierfür meist reflexartig die mangelnde methodisch kontrollierte Erforschung dieser »weiblichen Sexualstörung« verantwortlich gemacht. Aus feministisch-kulturpsychologischer Perspektive gilt es jedoch auch die Verfasstheit des vorherrschenden wissenschaftlichen Blicks auf weibliche Erfahrungen wiederkehrender Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zu problematisieren. Wie eine Rekonstruktion der gegenwärtigen Forschungsbemühungen, die explizit auf einen »multidimensionalen« Ansatz zielen, zeigt, reproduzieren diese erneut jene Dilemmata, aus denen sie sich erklärtermaßen lösen möchten. Darüber hinaus sind sie auch in Hinblick auf ihre androzentrische und ahistorisch-objektivistische Grundhaltung kritisch zu hinterfragen. Ausgehend von dieser methodologischen Kritik wird eine feministisch-kulturpsychologisch informierte, rekonstruktive Herangehensweise vorgeschlagen und anhand der Analyse einer Gruppendiskussion aus einem aktuellen Forschungsprojekt zum Thema exemplifiziert.

Schlagworte


Dyspareunie; Sexualstörung; Feminismus; Kulturpsychologie; Qualitative Sozialforschung; Methoden; Methodologie

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