Intersubjektivität in Mahāyāna-Buddhismus und relationaler Psychoanalyse

Gerald Dōkō Virtbauer

Abstract


Der Buddhismus und Achtsamkeitstechniken aus dem buddhistischen Lehrsystem zählen mittlerweile zu den wichtigsten Dialogpartnern für verschiedene psychotherapeutische Ansätze. Im Mahāyāna-Buddhismus wie auch in der relationalen Psychoanalyse kommt dem Begriff der Intersubjektivität eine besondere Bedeutung zu. In der relationalen Psychoanalyse wird das Individuum als eingebettet in eine relationale Matrix analysiert, die für die Herausbildung der psychischen Charakteristiken und Möglichkeiten entscheidend ist. Das Ziel der relationalen Psychoanalyse liegt in der Klärung der für das Individuum wesentlichen Beziehungskonstellationen. Freiheit entsteht durch ein Erkennen der eigenen Erlebens- und Verhaltensweisen als aus der persönlichen Beziehungsgeschichte hervorkommend und aus Verhaltensmodifikationen, die auf dieser Einsicht aufbauen. Im Mahāyāna-Buddhismus ist Intersubjektivität die Folge eines Verständnisses, dass sich alle Phänomene aus einer interdependenten Verbindung als individuelle Phänomene konstituieren. Der Mensch wird als spezifische Kombination von Phänomenen betrachtet, die sich andauernd in Dialog mit allen anderen Phänomenen befinden. Psychologisches Wohlbefinden lässt sich nur in der Einbindung dieser Erkenntnis in alle Aktivitäten des Lebens und der Überwindung jeglicher Selbstbezogenheit verwirklichen. Im Artikel werden philosophisch-psychologische Fundamente fokussiert, die eine Klärung der exakten Bedeutung des Terms 'Intersubjektivität' in beiden Zugängen ermöglichen sollen. Diese Klärung ist sowohl für die derzeit in diesem interdisziplinären Feld stattfindenden Dialoge (wo sie oft fehlt, bzw. undeutlich ist) als auch für weitere Dialogperspektiven von essentieller Bedeutung.

Schlagworte


Mahāyāna-Buddhismus; Relationale Psychoanalyse; Interdependenz; Intersubjektivität; Postmodernismus; Beziehung; Natur

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