Zum widersprüchlichen Wandel des Geschlechterverhältnisses: Arbeitsteilung in Familien

Zum widersprüchlichen Wandel des Geschlechterverhältnisses: Arbeitsteilung in Familien

Anke Kerschgens

Zusammenfassung

Im Kontext neoliberalen Wandels ergeben sich neue Anforderungen an und Deutungsmuster von Familie, wobei die Arbeitsteilung in Familien mit Kleinkindern einen Gradmesser für den dynamischen Wandel des Geschlechterverhältnisses darstellt. Anhand der Ergebnisse einer hermeneutisch-fallrekonstruktiven Forschung und mit Blick auf die Lebensentwürfe der Familien wird deutlich, dass es zu komplexen Verknüpfungen von gesellschaftlichen Deutungsvorgaben mit lebensgeschichtlich fundierten triadischen Familienkonstellationen kommt, die auf verschiedene Weise in einer familialen Praxis verankert werden. Dabei kommt es zu verschiedenen typischen Mustern, die eine Balance oder spaltende Zuweisung von Autonomie und Bindung enthalten.

Schüsselwörter: Geschlechterverhältnis, familiale Arbeitsteilung, psychoanalytische Sozialpsychologie, Familienkonstellation, Hermeneutik, Neoliberalismus

Summary

The neoliberal societal change produces new societal interpretative patterns and challenges for families, in connection to which the division of labour within families can be seen as an indicator of the dynamic change of gender relations. With reference to results of a recent hermeneutic and reconstructive research and focusing the familial life-scripts, it becomes clear that there are complex links between societal interpretative patterns and the unconscious, biographical scripts of a triangular familial constellation, which are embedded in daily practice in different ways. Three typical patterns are presented, which include the balancing or division of autonomy and bonding.

Keywords: gender and family, division of labour, psychoanalytic social psychology, family constellation, hermeneutic, neoliberalism

I Einleitung

Die Situation von Familien mit Kleinkindern, um die es im Folgenden gehen soll, ist durch besondere Bindungsanforderungen und einen besonderen Betreuungsbedarf gekennzeichnet. Kleinkinder bedürfen nicht nur stärker als ältere Kinder der konkreten alltäglichen Fürsorge, sondern sie aktualisieren mit ihrer starken Abhängigkeit auch das Thema Bindung in der Familie und fordern die Bindungsfähigkeit ihrer Eltern, im Sinne deren Fähigkeit, emotionale Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und sich auf diese einzulassen. Zugleich gibt es in Deutschland einen Anspruch auf einen öffentlichen Betreuungsplatz erst ab dem Alter von drei Jahren, und die Nachfrage nach Krippenplätzen übersteigt das bisherige Angebot deutlich. Auch aus diesem Grund stellt sich die Frage der familiären oder außerfamiliären Betreuung von Kleinkindern in anderer Form als für ältere Kinder.

Ob und wie Eltern von Kleinkindern sich die Arbeit in der Familie alltagspraktisch teilen können, ist mit der Frage verbunden, ob und in welcher Weise beide Eltern erwerbstätig sind und wie das Kind während der Arbeitszeit betreut wird. Jenseits dieser zunächst neutralen Formulierung ist dies immer noch zumeist die Frage nach der Erwerbstätigkeit der Mütter und spiegelbildlich dazu die Frage nach der Integration und Beteiligung der Väter an der Familienarbeit.[1] Hiermit sind auf psychosozialer Ebene triadische Bindungsmuster verbunden, die die Bindung beider Eltern an das Kind in je spezifischer Weise konstituieren und alltagspraktisch mit darüber bestimmen, wer sich wann und in welcher Weise auf die Bedürfnisse des Kindes einlässt und wie diese durch die Eltern wahrgenommen und gedeutet werden (von Klitzing 2000, Schon 1995).

Mit der Erwerbsarbeit sind demgegenüber andere Motive verknüpft: Hier geht es um Wünsche nach außerfamilialer Anerkennung, Autonomie und Entwicklung, die je nach beruflicher Situation in unterschiedlichem Maße eingebracht und erfüllt werden können (King 2002, Zybell 2004, Eccard 2004). Für Familien mit Kleinkindern geht es somit um eine triadische Balance der unterschiedlichen beruflichen und familialen Ansprüche und Beziehungsformen, die sich in ganz unterschiedlichen Alltagspraxen und Autonomie-Bindungsmustern im Sinne einer Elternschaftskonstellation (King 2010) niederschlägt. Während eine geschlechtergetrennte Arbeitsteilung besondere Spaltungsmöglichkeiten von Autonomie und Bindung eröffnet, werden im Kontext einer mehr gleichberechtigten elterlichen Arbeitsteilung auch neue Anforderungen an die triadische Integrationsfähigkeit der Eltern zum Thema, insbesondere da es eine Genealogie hierfür für Elternpaare kaum gibt (Flaake 2009).

II Widersprüche 1: Zwischen Emanzipation und Marktintegration

Die Arbeitsteilung in Familien ist ein zentrales Thema der Frauen- und Geschlechterforschung, denn die Teilhabe der Geschlechter am Familien- und Erwerbsleben und ihre Arbeitsteilung in diesem Kontext haben eine grundlegende Bedeutung für die jeweilige soziale Lage, die Beteiligungschancen, Handlungsfähigkeiten und Identitätsmuster (vgl. Jurczyk 2008, 63). Die Integration von Frauen in das Erwerbsleben war daher eine grundlegende Frage und auch ein zentrales Anliegen der frühen wie auch neueren Frauenbewegung und daran anschließend ist auch die Frage väterlicher Identität und Bindung an die Kinder in stärkerem Maße gesellschaftlich und auch wissenschaftlich thematisiert worden (z.B. Walter 2002).

Aktuell wird die Arbeitsteilung in Familien im öffentlichen Diskurs häufig unter dem Stichwort der »Vereinbarkeit von Familie und Beruf« angesprochen, dies oft mit Blick auf beide Geschlechter, und es werden vorrangig bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder gefordert. Hinter diesem zunächst emanzipativen Ideal der Vereinbarkeit für beide Geschlechter: »Männer wie Frauen müssen Arbeit und Familie unter einen Hut bringen können« (Arning 2010 in der Frankfurter Rundschau), bleiben jedoch zumeist die auch damit verknüpften ökonomischen Interessen und neuen Zuschreibungen und Anforderungen an Familien unthematisiert. Was bedeutet jedoch die zunehmende Integration von Frauen – und insbesondere von Müttern kleiner Kinder – in das Erwerbsleben? Wie gestaltet sich heute der mit der Industrialisierung entstandene Bruch zwischen Familie und Erwerbsarbeit[2] unter der Prämisse von »Vereinbarkeit« für beide Geschlechter?

Mit Blick auf die in den letzten Jahrzehnten zunehmend neoliberal bestimmte Gesellschaftsordnung gibt es Effekte mit verschiedenen Bewegungsrichtungen. Einerseits gibt es eine »Feminisierung« der Arbeitswelt und des idealen Arbeitnehmers (Negri 1998, 26 zit. nach Opitz 2004, 111), dessen Fähigkeiten Elemente traditioneller Weiblichkeit enthalten, wie Begeisterungsfähigkeit, Emotionalität, Kommunikativität, Offenheit und Sozialität. Auch bestehen scheinbar Analogien zur Hausfrauentätigkeit, wie ein breites Spezialwissen, Bereitschaft zu permanenter Mehrarbeit und Eigenverantwortlichkeit (Opitz 2004, 111). Es kommt zudem zu einer reziproken Familiarisierung der Arbeitswelt, wenn dort mit den neuen Ansprüchen an die gesamte Persönlichkeit nun auch Wünsche nach Anerkennung und Bestätigung als ganze Person entstehen, wie sie vorher nur für die Familie gelten konnten. Gleichzeitig finden jedoch auch Anteile Verstärkung, die man eher einer hegemonialen Männlichkeit zuordnen kann – so die Fähigkeit zur Selbstdarstellung und die hohe Bedeutung von Autonomie für das neoliberale Subjekt. Diese Autonomie hat zudem eine neue Gestalt als gesellschaftliches Leitbild, bei der »die eingeklagte Selbstverantwortung in der Ausrichtung des eigenen Lebens am betriebswirtschaftlichen Effizienzkriterium und unternehmerischen Kalkülen besteht« (Bröckling/Krasmann/Lemke 2000, 30). Die individuelle »Selbstverwirklichung« im Kontext der scheinbar neuen individuellen Freiheiten und Gestaltungsspielräume (vgl. ebd.) verbirgt die politische und ökonomische Realität, die unter anderem in der Präformierung und Normierung von Entscheidungsmöglichkeiten und geforderten Selbsttechniken wirksam ist. Die von Frauen eingeforderte Selbstbestimmung, im Sinne einer weiblichen Autonomie als »Politik der Subjektivität mit einer emanzipativen Gesellschaftspolitik« verbunden, wurde dabei z.B. im Kontext von Biomedizin und Gesundheitspolitik vereinnahmt (Trallori 2008, 158ff)[3]. Die selbstbestimmte Entscheidung ist somit auch ein gesellschaftliches Konstrukt, das deren enge Rahmung, inhaltliche Vorbestimmtheit und das dabei nicht mehr Thematisierbare ausblendet.

Auch der neoliberale Bezug auf das Geschlecht ist widersprüchlich. Einerseits gilt nun für beide Geschlechter der Markt als primärer und geschlechtsloser Ort der Subjektwerdung, wobei eine normative Geschlechterordnung hinderlich geworden ist. Es gibt vielmehr eine staatliche Gleichstellungspolitik, die bis hin zum geteilten Sorgerecht für Eltern bei Ehescheidungen als Normfall reicht und damit der gesellschaftlichen Realität oftmals normativ vorauseilt. Die Subjekte sollen flexibel mit ihrem sozialen Geschlecht umgehen und es, wenn nötig, aktiv dekonstruieren. Andererseits gibt es jedoch gleichzeitig weiter geschlechtsgebundene Zuschreibungen. So ist zwar die weibliche Erwerbsbeteiligung gestiegen – nicht jedoch deren Gesamtvolumen, was auf die Verbreitung weiblicher Teilzeittätigkeiten und Klein(st)-Beschäftigungen hinweist und auf die fortbestehende Zuständigkeit von Frauen für sorgende Tätigkeiten, die im Zuge des Sozialabbaus noch ausgeweitet werden (vgl. Soiland 2008, 180). Gleichzeitig gibt es neue familiäre Aufgaben, die in der transitorischen Geschlechterordnung zunächst als weitere Aufgaben für Mütter wirken. So beschreibt Connell (2009, 36, mit Verweis auf Donner 2006): »Mothers, specifically, being held accountable for the young child’s success in the market world. It is mothers who are under pressure to 'pedagogize' the home […] Neoliberalism assigns mothers a moral responsibility for giving their children 'the best possible start in life', for undertaking a planning process in which their children are raised for success in a competitive world.« Hinzu kommt, dass erwerbstätige Frauen nicht nur in der Doppelverantwortung für Erwerbsarbeit und Hausarbeit und Kinder stehen, sondern auch die praktische und emotionale Vermittlung zwischen beiden Bereichen leisten sollen: »Women are also being held responsible for managing the relationship between household and workplace, i.e. for making the work/care regime function. […] there is widespread guilt among mothers – because the task cannot be done to their own satisfaction.« (Connell 2009, 36) Die neuen »Managementaufgaben« für Mütter sind demnach mehrdimensional und betreffen neben dem Selbstmanagement auch das Management der (institutionellen) Entwicklung und Betreuung der Kinder und das der Familie als Ganzer im Verhältnis zu Gesellschaft und Arbeitswelt. Während es so zunehmend zu Ähnlichkeiten beider Bereiche – Familie und Erwerbsarbeit – kommt, verschärfen sich gleichzeitig die Gräben bzw. der Vermittlungsaufwand, ohne dass dies für die Betroffenen unmittelbar erkennbar ist. Soiland (2008, 183) bilanziert: »Der Markt mit seiner Abstraktion von Bindungen und anderen menschlichen Unwegsamkeiten ist ein Angebot zur Selbstverwirklichung – auch für Frauen. […] Die einzige Ideologie, die es heute noch gibt, ist die, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spielt. […] Nur: Es bleibt das Faktum, dass trotz einer eindrücklichen Aufweichung von Geschlechternormen sich an der ökonomischen Stellung der Geschlechter nicht viel verändert hat. Es gibt eine kollektive Involviertheit von Frauen, die nicht mehr als solche benennbar ist, da sie sich nicht mehr über Rollenzuschreibungen herstellt und trotzdem existiert«.

Die »kollektive Involviertheit« erscheint als individuell und selbstgewählt, wodurch unter der Hand traditionelle Weiblichkeitsbilder erneut festgeschrieben werden können (vgl. Connell 2009, 31). Hierauf weisen bereits Koppetsch/Burkart (1999) im Kontext ihrer Rekonstruktion einer »Illusion der Emanzipation« hin. Diese besteht für ein individualisiertes städtisches Milieu unter anderem darin, dass mit der Annahme partnerschaftlicher Gleichheit die Wahrnehmung traditioneller Arbeitsteilung und Geschlechterkonstruktionen verhindert wird. Die Arbeitsteilung erscheint vielmehr, wenn sie erkannt wird, als Ergebnis eigener Entscheidungen und wird dadurch »ursächlich in die eigene Person hereingenommen und dem eigenen Selbstbewusstsein einverleibt« (ebd. 317). Das neue Partnerschaftsmodell wirkt insofern gleichsinnig mit neoliberalen Subjektkonstruktionen, als es von Rollenanforderungen absieht, diese in die Verantwortung des Einzelnen verlagert und dabei Geschlechtsunterschiede scheinbar auflöst unter der Prämisse der für alle geltenden individualisierten Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt. Hierbei wirkt die Unterstellung einer wie beschrieben vordergründig für alle geltenden, historisch betrachtet jedoch männlichen Konzeption von Individualität, Autonomie und Wahlfreiheit, die in Widerspruch zu familialen Bindungsansprüchen geraten kann (vgl. Kerschgens 2009, 31). Eine weitere Perspektive ergibt sich aus der im Gegensatz zum fordistischen »Disziplinarsubjekt« heute gesellschaftlich nahegelegten offenen Subjekt, das sich selbst entwirft und immer neu gestaltet (vgl. Opitz 2004, 109). Hier ergeben sich Analogien zwischen der Projektförmigkeit von Identität und Arbeitnehmersubjektivität und der in Bewegung geratenen familiären Arbeitsteilung als familiärem »Projekt«. Familie ist Gegenstand von Planungs- und Gestaltungsnotwendigkeiten geworden und bei zunehmender Gleichberechtigung müssen Eltern als »Team« zusammenarbeiten und kooperieren, Absprachen treffen etc., was Ähnlichkeiten mit der Kooperation am Arbeitsplatz haben kann.

Ein wichtiger Aspekt der Frage der Arbeitsteilung ist der der Wahrnehmung und Deutung der Bedürfnisse des Kindes, der bei der Frage nach »Vereinbarkeit« nicht zwangsläufig mitthematisiert wird. Vor allem wenn dies im Sinne einer nicht reflexiven Ideologie der flexiblen Marktintegration auf die Notwendigkeit von mehr Betreuungsplätzen reduziert wird, bleiben die affektiven Ansprüche und Folgen, die hieraus für die Kinder aber auch die Eltern resultieren, unberücksichtigt. Dies gilt auch für die Frage nach den gesellschaftlich nahegelegten Autonomie-Bindungs-Konstruktionen, die eine neuartige Marktintegration für beide Geschlechter mit sich bringt/bringen würde. Hier gibt es, ausgehend von der von der Arbeit auf die Familie übergreifenden Beschleunigung und Effizienzorientierung, die Paradoxie, dass zwar erhöhte Ansprüche an Eltern-Kind-Beziehungen bestehen, diese jedoch immer weniger umgesetzt werden können (King 2009, 47). Auch nach Ende der ideologisch aufgeladenen Kontroverse, ob eine frühe Fremdbetreuung für Kleinkinder schädlich ist oder nicht, wird doch eher selten die Perspektive des Kindes eingenommen und der Blick von der Quantität weg zu Qualität als entscheidendem Kriterium von Betreuung gelenkt (vgl. Datler/Ereky/Strobel 2006).

In Bezug auf den Bruch zwischen Familie und Erwerbsarbeit gibt es somit neue Brücken, die vor allem in einer Angleichung der Persönlichkeitsanforderungen beider Bereiche wie auch der Auflösung starrer Geschlechternormen bestehen. Gleichzeitig gibt es fortbestehende oder sogar neue Geschlechterdifferenzen im Kontext der Arbeitsteilung und neue Gegensätzlichkeiten von Autonomie- und Bindungsthemen, die jedoch in geringerem Maße thematisiert werden können. Neu ist auch die nun vorrangig von Frauen zu erbringende und als solche ebenfalls kaum thematisierbare Vermittlungsanstrengung zwischen Familie und Erwerbsbereich unter der Prämisse gleichberechtigter Integration. Blinde Flecken sind zudem die Kinder bzw. deren Perspektive in der Vereinbarkeitsdiskussion.

Interessant bleibt somit die Frage, wie sich die elterlichen – auch latent geschlechtlich kodierten – Bedürfnisse nach Autonomie und Bindung mit den gesellschaftlichen »Angeboten«, diese in die Familie oder die Arbeitswelt einzubringen, für Väter und Mütter vermitteln und welche neuen subjektiven wie auch gesellschaftlichen Bedeutungen hieraus entstehen.

III Widersprüche 2: Altes und Neues

Wie im vorangegangenen Abschnitt diskutiert, hat sich die Qualität dessen, was Arbeit und auch was Familie bzw. Männlichkeit und Weiblichkeit aktuell bedeuten, geändert bzw. befindet sich in einem fortdauernden Prozess der Veränderung und es bestehen neue Anforderungen an die Integrationsleistung von Eltern. Wie ist also der Status quo elterlicher Arbeitsteilung, in welcher Form bestehen Kooperation und Konkurrenz in Paarbeziehungen, wie werden das Familienleben und die Bindung an Kinder entworfen? Einerseits gibt es heute das gesellschaftliche Ideal der Gleichberechtigung und gleichberechtigten Sorge. Damit verbunden ist der Wunsch nach einer Integration der Väter in den familialen Alltag mit den (Klein-)Kindern und nach einer möglichst ungebrochenen Integration der Mütter in das Erwerbsleben. Dies kommt in neuen Deutungsmustern von Familie und elterlicher Arbeitsteilung zum Ausdruck, die gesellschaftlich eine starke Präsenz haben.

Die auch durch institutionelle Rahmenbedingungen geprägte Praxis ist jedoch komplex: Fürsorgliche Väterlichkeit wird zumeist nicht mit einer Reduktion der Erwerbsarbeit verbunden; Mütter wollen demgegenüber nach der Geburt eines Kindes häufig die Erwerbsarbeit zunächst unterbrechen und dann reduzieren, was mit der Übernahme der Hauptsorge für die Kinder und die Hausarbeit verbunden ist (Mühling u.a. 2006). Dennoch definieren sie sich gleichzeitig weiter als Berufstätige und wünschen bessere Betreuungsmöglichkeiten. Gleichzeitig wird in der Literatur im Anschluss an Beck (1986) ein Graben konstatiert zwischen einer verbalen Aufgeschlossenheit und einer gleichzeitigen Verhaltensstarre, dies vor allem in Bezug auf die Männer und deren Beteiligung an Familienarbeit. Die Widersprüchlichkeit ist ein wesentliches Ergebnis aktueller Forschungsarbeiten zur Gestalt elterlicher Arbeitsteilung (z.B. Meuser 2005, Jurczyk 2008, Geissler/Oechsle 1996). Annahmen einer linearen Rücknahme oder Reflexivierung starrer Geschlechterarrangements müssen zugunsten der Annahme einer grundlegenden Ambivalenz von Wandlungsprozessen des Geschlechterverhältnisses relativiert werden. So gibt es »Mehr Kontinuität als Wandel« (Sommerkorn/Liebsch 2002) und auch »Kontinuität trotz Wandel« (Mühling u.a. 2006). Die Problematik des Wandels liegt demnach vor allem in der Gleichzeitigkeit neuer Deutungsmuster mit Bildern der Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit und der demgegenüber hinterherhinkenden Praxis.

Wie kann diese Widersprüchlichkeit der subjektiven und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse im Bezug auf die elterliche Arbeitsteilung verstanden werden? Zunächst wird bei näherem Hinschauen erkennbar, dass auch die neueren Deutungsmuster der Familie selbst Widersprüche und Ausblendungen bergen. So muss z.B. das Bild einer fürsorglichen Vaterschaft nicht mit einem Bild von Geschlechtergerechtigkeit in der Paarbeziehung verbunden sein – die Qualität der Beziehung zum Kind wird nicht unbedingt mit deren Quantität in Beziehung gesetzt und es findet keine Vermittlung mit der Form der elterlichen Kooperation statt. Zudem greift die Erwartung von Linearität zwischen gesellschaftlichen Leitbildern und Deutungsmustern und der Praxis wie auch den subjektiven Entwürfen offensichtlich zu kurz. Notwendig erscheint vielmehr ein differenziertes Verständnis, das die Eigenlogik subjektiver Entwürfe und Konstruktionsprozesse in Auseinandersetzung mit Gesellschaft berücksichtigt.

IV Forschungsansatz

Im Folgenden soll zum Erschließen der Ambivalenz elterlicher Arbeitsteilung neben dem Bereich der sozialen Diskurse und Deutungsmuster und deren zeitspezifischer sozialer Erfahrung auch der Bereich inner- und interpsychischer Prozesse in den Blick genommen werden und dabei vor allem die Verknüpfung und Wechselwirkung von gesellschaftlichen und individuellen Sinnbildungsprozessen. Ziel ist eine Rekonstruktion elterlicher Lebens- und Arbeitsteilungsentwürfe aus zwei Perspektiven: Zum einen gilt es, das Wirken gesellschaftlicher Deutungsmuster von Familie und Geschlechterverhältnis in den versprachlichten Entwürfen und dabei auch die kreative Nutzung dieser Deutungsangebote zu verstehen. Zum anderen geht es um eine Rekonstruktion der gleichermaßen in den Lebensentwurf einfließenden biographisch entstandenen unbewussten Muster von Familie und Bindung und Autonomie. Hierbei sind vor allem die Frage nach der Vermittlung der verschiedenen Dimensionen in einem familialen Arbeitsteilungsentwurf spannend und die Untersuchung der dabei auftretenden Passungen, Konflikte und Ausblendungen. Zentral ist darüber hinaus der Blick auf Familie im Sinne der familialen Konstellation, in deren trianguläres Gewebe die Arbeitsteilung der Eltern eingebettet ist, wobei die Beziehung zwischen zweien immer auf die der beiden zum Dritten verweist. Anders als bei der Untersuchung des »Kooperationsmodus« des Paares (Maiwald 2009) wird hier die Arbeitsteilung nicht nur als ein Aushandlungsprozess auf das Paar bezogen betrachtet, sondern in enger Verknüpfung mit der gesamtfamilialen Beziehungsstruktur und -dynamik.

Im Folgenden möchte ich auf Ergebnisse meiner Forschungsarbeit zur elterlichen Arbeitsteilung in Familien mit Kleinkindern Bezug nehmen. Es handelt sich um eine abgeschlossene hermeneutisch-fallrekonstruktive Forschung anhand von Familiengesprächen (Kerschgens 2009). Alle Eltern, mit denen ich Paar- bzw. Familiengespräche in Anwesenheit der Kinder geführt habe, haben zum Erhebungszeitpunkt ein erstes Kleinkind im Alter zwischen 18 und 30 Monaten. Sie sind Mittelschichtsangehörige und leben in kleinstädtischen Wohnlagen in einer deutschen Großstadtregion.

Theoretischer Hintergrund der Fallrekonstruktionen ist der Wunsch zu verstehen, wie einerseits gesellschaftliche Deutungen subjektiv gebrochen, bearbeitet und integriert werden und wie andererseits die familialen gleichermaßen unbewusst bestimmten Entwürfe sozial wieder eingebracht und anschlussfähig gemacht werden. Die Forschungsgespräche wurden daher als offene Gespräche geführt und im Sinne eines gruppenanalytischen Gesprächsverständnisses wurden insbesondere die Aushandlungsprozesse zwischen der Forscherin und dem Paar bzw. der Familie wie auch die Dynamik und die Konstruktionsprozesse des Paares bzw. der Familie selbst in der Gesprächssituation berücksichtigt.

Die Rekonstruktion erfolgte mithilfe einer psychoanalytisch-sozialwissenschaftlichen Hermeneutik, der Ethnohermeneutik, um möglichst differenziert soziale und psychische Dimensionen der elterlichen Lebensentwürfe zu erfassen. Die Wurzeln der Methode liegen in den Langzeitstudien von Bosse (1979, 1994) in Kamerun und Papua Neuguinea, in denen es um eine kritische Auseinandersetzung mit der komplexen Dynamik von zunächst kolonial bedingten Modernisierungsprozessen in traditionalen Gesellschaften ging. Für die Untersuchung der elterlichern Arbeitsteilung von aktueller Bedeutung ist hierbei der Blick auf die entstehenden und sich verändernden psychosozialen Möglichkeitsräume und Konfliktpotentiale für die Individuen im Kontext von Modernisierungsprozessen bzw. allgemeiner Prozessen gesellschaftlichen Wandels, die die Möglichkeit der Entstehung von etwas Neuem mitbedingen. Die Lebensentwürfe, Schlüsseldimension einer möglichst differenzierten hermeneutischen Analyse, stellen sich so als kreative Vermittlungsleistung der Subjekte und Aushandlung von Sinn in ihren Gruppen dar. Als ein solcher Aushandlungsprozess wird auch die Gesprächssituation in der Forschung verstanden. Für die Rekonstruktionspraxis bedeutet dies, den Blick auf die Forschungssituation selbst als analytischen Rahmen zu richten. Dies wird als Subjektivität in der Forschung im Kontext fallrekonstruktiver Methoden gelegentlich thematisiert, ist aber bisher nicht Teil eines hermeneutischen Kanons außerhalb psychoanalytisch orientierter Forschung. Zur Rekonstruktion von Lebensentwürfen mit ihren verschiedenen sozialen, gruppalen und dynamischen Anteilen ist eine methodentriangulierende Herangehensweise hilfreich und gegenstandsangemessen, um gezielt strukturale und dynamische Momente erschließen zu können. Die Verbindung einer sequentiell vorgehenden Sprachstrukturanalyse mit einer Analyse der Übertragungssituation in der Forschung stärkt die Möglichkeit, die situative und soziale Gebundenheit der Lebensentwürfe differenziert zu betrachten und institutionelle Rollenmuster, kulturelle Hintergründe, lebensphasenspezifische Dynamiken und Gruppenprozesse nicht unmittelbar in eins zu setzen. Neben der Untersuchung der manifesten Sichtweisen, Selbstdeutungen und Praxen der Teilnehmer können anhand der sprachlichen Sequenzen latente Strukturen aus dem Text rekonstruiert werden, wie z.B. die kommunikative Struktur und die Struktur der Triade. In einem dritten Schritt kann dann die Analyse und Reflexion von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen die dynamisch ausgeschlossenen Szenen und Affekte rekonstruieren. Die latenten Strukturen werden dadurch als latente Figuren, d.h. auch dynamisch unbewusst bestimmte und mit einem subjektiven Sinn belegte, erkennbar. Im Bezug der drei rekonstruierten Sinnebenen zueinander erschließt sich so ein komplexes, mehrschichtiges Bild der familialen Lebensentwürfe.[4]

V Zum widersprüchlichen Wandel elterlicher Lebensentwürfe

Anhand der Rekonstruktion meiner Forschungsgespräche mit Eltern von Kleinkindern zeigen sich alle Gespräche durchziehende Gemeinsamkeiten, wie auch als typische Muster herausarbeitbare Besonderheiten der Familien in Bezug auf die Vermittlung gesellschaftlicher Deutungsangebote mit subjektiven Bedürfnissen in den familialen Entwürfen.

So fällt zunächst auf, dass sowohl die versprachlichten elterlichen Entwürfe, d.h. auf Ebene ihrer Diskurse über Elternschaft, als auch ihre Alltagspraxis und deren Erleben, alle von der gesellschaftlichen Wandlungsdynamik erfasst sind, und zwar in dem Sinne, dass sich alle Gesprächspartner explizit oder in anschaulich geschilderten Episoden auf die fürsorgliche Väterlichkeit des Mannes beziehen und seine Beteiligung in der Familie deutlich machen wollen. Gleichermaßen beziehen sich die Familien auch auf die beruflichen bzw. Selbstverwirklichungsinteressen der Mütter. Dieser elterliche Entwurf als »neue« Väter und Mütter ist jedoch nicht identisch mit der realen Gestalt der elterlichen Arbeitsteilungspraxis, er ist vielmehr gleichermaßen bei Familien mit traditioneller wie tendenziell partnerschaftlicher Arbeitsteilung anzutreffen. Der sprachliche Bezug auf das Neue ist zunächst vor allem Ausdruck eines diskursiven Wandels bzw. stellt ein Aufgreifen der (teil-) gesellschaftlichen Idealbildung von Vereinbarkeit für beide Geschlechter dar. Dabei kommt es zu einem kreativen, wenn auch nicht notwendigerweise reflektierten Umgang mit den gesellschaftlich vorgeprägten Mustern. Diese erfüllen zudem im familialen Entwurf eine je spezifische Funktion und werden in je spezifischer Weise mit dem lebensgeschichtlich gewachsenen Anteil des Entwurfes vermittelt. Drei der typischen Muster möchte ich im Folgenden, im Rückgriff auf Ergebnisse aus den Fallrekonstruktionen, vorstellen.[5] Das Neue im Alten

Familie Amann hat eine traditionelle Arbeitsteilung, bei der Frau Amann, die Versicherungskauffrau ist, sich um den Haushalt und die anderthalbjährige Tochter kümmert und Herr Amann als Akademiker in Vollzeit arbeitet. Frau Amann leitet zudem sonntags für zwei Stunden einen Kurs.

In der Initialszene des Forschungsgespräches mit der Familie, spricht zunächst nur Frau Amann mit der Forscherin.

AK: Könnt ihr…// Frau A.: Was? AK: // gerne damit anfangen, was sich für euch verändert hat. Wenn das n Einstieg ist. Frau A.: Ehhhh, was sich für uns verändert hat, gegenüber… AK: Mhm. Oder wie es war für euch Eltern zu werden, vielleicht ist das auch der Anfang// Frau A.: Haaaaaa abendfüllend. AK: // vom Elternsein (Lachen). Frau A.: Ahm, ja, also. Ja, ja die die Michelle wurde ja in S. (Ort in der Nähe) geboren, ne. AK: Mhm. Frau A.: Und ehm, es fing dann damit an, dass Peter hier, also die Geburt und alles war ganz prima und ich hatte einen super tollen, tollen Krankenhausaufenthalt. Und es war Weihnachten, Weihnachtszeit// AK: Mhm. Frau A.: // und Peter hatte hier ganz toll einen Weihnachtsbaum aufgestellt und alles war ganz schön zu Hause, wurd ich super empfangen und so, und dann gings aber natürlich gleich in die Vollen, weil, joh, ehm… jetzt stand man halt plötzlich dann doch alleine, obwohl wir ne ganz tolle Hebamme hatten und so. Und es hat im Prinzip auch alles super funktioniert ehm, bis auf die Tatsache, dass sie nicht so toll schlief.

Die Rekonstruktion zusammenfassend lassen sich folgende Punkte festhalten: Das Gespräch beginnt mit einem Missverstehen und Unterbrechen in der Interaktion zwischen Frau Amann und der Forscherin. Weiterhin zeigt sich die hohe Bedeutung des Vaters, gegenüber der die Leistung der Geburt und die Individualität des Kindes zurücktreten. Die Tochter fällt vielmehr aus der idealisierten weihnachtlichen Szene des Nachhausekommens und der Wiedervereinigung des Paares heraus und wird allein negativ charakterisiert durch das schlechte Schlafen.

Im weiteren Verlauf des Forschungsgespräches wird in starkem Maße die fürsorgliche Väterlichkeit von Herrn Amann hervorgehoben und neben ein Lob der Mütterlichkeit von Frau Amann gestellt. So macht Herr Amann u.a. explizit, dass er seine Frau als Mutter respektiert und anerkennt und Frau Amann schildert enthusiastisch eine Szene, bei der ihr Mann in der Öffentlichkeit gewickelt hat und hierfür von einer Passantin bewundert wurde. Dabei wird sprachlich in der scheinbaren Gleichheit der Eltern – beide werden in ihren Qualitäten gleichermaßen hervorgehoben – ihre traditionelle Arbeitsteilung, mit Herrn Amann als Alleinverdiener und Frau Amann als Hausfrau, diskursiv modernisiert und im Bezug und mit Rückgriff auf Deutungsmuster neuer Väterlichkeit und mütterlicher beruflicher Selbstverwirklichung – wenn Herr Amann seinen »Tochter-Tag« hat, während seine Frau ihren Kurs leitet – gesellschaftlich anschlussfähig gemacht. Auch das alte Muster der guten Mutter kommt zum Ausdruck, wird aber durch die Gegenüberstellung neuer Väterlichkeit gleichsam modernisiert. Zudem wird die bei Familie Amann über die faktische Arbeitsteilung hinaus bestehende patriarchale Familienstruktur sprachlich egalisiert und zugleich vor der Selbst- und Fremdwahrnehmung verborgen. Im familialen Arbeitsteilungsentwurf ist auf der psychodynamischen Ebene im konkreten Fall dieser Familie eine narzisstisch geprägte, triadisch vereinseitigt um den Vater zentrierte Familiendynamik strukturell verankert. Bei dieser wirkt Herr Amann als Maß aller Dinge, er kontrolliert und bewertet die Weiblichkeit und Mütterlichkeit seiner Frau. Dies ist gesprächsdynamisch verankert, wenn z.B. Frau Amann von ihrem Mann unter Rechtfertigungsdruck gebracht wird und ist auch aus verdichteten Äußerungen wie der folgenden rekonstruierbar: (Herr Amann) »Das ist auf Dauer gesehen auch, dass man den Anderen auch, ich sag mal, als gleichwertig ansieht, ja, dass man wirklich Respekt, Anerkennung hat, ne, für den anderen, für die Leistung, die er erbringt und wenn eben noch so ne Mammutaufgabe dazukommt, und du siehst das wird gut bewältigt, eh ich mein, das ist natürlich nicht bewusst, dass ich jeden Tag sage, oh, was hab ich ne tolle Frau, die kann das auch als Mutter da, aber ich denk, das is n ganz wichtiger Faktor im Unterbewusstsein.« In der wechselseitigen Aufwertung als Eltern, die ohne Bezugnahme auf die Bedürfnisse des Kindes erfolgt, wirkt zugleich die in einer narzisstischen Nutzung des Kindes liegende elterliche Aggression, die durch ihr Kind in besonderem Maße aufgewertet und als ideale Eltern bestätigt werden wollen. Dieses Muster wird wiederum seitens der Eltern in einer diskursiven Ablehnung von Fremdbetreuung und gleichzeitiger Betonung der Selbständigkeit als Erziehungsziel ideell gespiegelt. So können die Eltern Amann die in der inneren Szene verankerte Festlegung von Frau Amann als Hausfrau mit einer gleichzeitigen partiellen Einschränkung der Fürsorge für das Kind auch kognitiv vereinen.

Es zeigt sich somit eine Konstellation des Neuen im Alten, bei der neue Deutungsmuster diskursiv in eine traditionelle Familienpraxis integriert werden, die zudem in starkem Maße abwehrbestimmt ist. Autonomie und Bindung sind im Wesentlichen geschlechtlich kodiert, und zudem ist die Triade vereinseitigt um den Vater und sein Bedürfnis nach Anerkennung zentriert. Das Alte im Neuen

Ein hierzu konträres Muster lässt sich anhand der Familie Bruckner rekonstruieren. Herr und Frau Bruckner sind beide in Elternzeit und arbeiten in Teilzeit – Herr Bruckner ist Akademiker und arbeitet 30 Stunden, Frau Bruckner ist Bürokauffrau und arbeitet 20 Stunden. Beide kümmern sich um den anderthalbjährigen Sohn und erledigen die Hausarbeit gemeinsam. Der egalitäre Arbeitsteilungsentwurf wird im Gespräch von Familie Bruckner normalisiert. So betonen beide einerseits die Gesetzesänderung, die die geteilte Elternzeit erst möglich gemacht hat und andererseits, dass die besondere Situation des Elternwerdens – sie hatten sich eigentlich bereits mit ihrer Kinderlosigkeit abgefunden – dazu führt, dass beide etwas vom Kind haben sollen. Der egalitäre Praxisentwurf ist so zwar dem gesellschaftlichen Durchschnitt voraus, wird von den Bruckners aber weniger mit einem expliziten Bezug auf neue Deutungsmuster gerechtfertigt, sondern in einer Gegenbewegung im Kontext der überraschenden Schwangerschaft und geänderten Gesetzeslage als ganz besonderer und zugleich ganz allgemeiner in die Praxis des Milieus zurückgeholt und damit gesellschaftlich eingebunden. Die weitgehend gleichberechtigte Arbeitsteilung ist bei Familie Bruckner nicht fundiert in einer Gesellschaftskritik und z.B. Ergebnis eines reflexiven Umgangs mit dem Geschlechterverhältnis, sondern Ausdruck eines familienzentrierten Weltbildes, verbunden u.a. mit der Ablehnung früher Fremdbetreuung. Der Versuch der Einbindung des eigenen Entwurfes entspricht dem der Familie Amann, jedoch hier nicht in einer diskursiven Modernisierungsbewegung, sondern im Sinne einer Traditionalisierung; die Bruckners haben ein gegenteiliges Legitimationsproblem, da sie sich mit ihrem Entwurf nicht etwa als Avantgarde erleben, sondern tendenziell als gesellschaftlich randständig. Muster neuer Väterlichkeit und Mütterlichkeit werden daher nicht offensiv aufgegriffen, sie müssen vielmehr latent bleiben.

Auf Ebene der triadischen Familienkonstellation ermöglich die egalitäre Arbeitsteilung für Familie Bruckner primär eine Gestaltung der familialen Bindungen, indem die wechselnde An- und Abwesenheit beider Eltern hilft Nähe und Distanz zum Kind zu regulieren. Im Hintergrund steht im besonderen Fall dieser Familie die schwierige Geschichte des Elternwerdens im Kontext der Reproduktionsmedizin, die auf psychosozialer Ebene die Ambivalenzfähigkeit der Eltern überfordert zu haben scheint. Die bei Familie Bruckner starr und in einem permanenten Handlungsdruck konstruierte Alltagspraxis moduliert die eher geringe Empathiefähigkeit der Eltern in Bezug auf das Kind, mit einem gleichzeitigen kognitiven Bezug auf dessen angenommene Bedürfnisse und die gewünschte Kindzentrierung der Familie.

Zur Veranschaulichung kann die folgende Szene zu Beginn des Gesprächs dienen, bei der Frau Bruckner über die Arbeitsteilung und Alltagspraxis der Familie spricht:

Frau B.: Dadurch hat er halt, e sehr viel mehr (poltern) vom Tag mit dem Kind, als Väter normal. Kriegt viel mehr mit, ja. Und der Kleine ist auch // Jonas: Da! Frau B.: // genauso auf ihn fixiert wie auf mich, jetzt, ist absolut kein Mama-Kind. AK: Mhm. Is ja gut. Jonas: (laut) Ai! Frau B.: Aa, Alltag, ph Aufstehen// Jonas: Da! Frau B.: //richtet sich neuerdings danach, wann das Kind anfängt zu schreien. Ausschlafen gibt’s seitdem nicht mehr. Seit der Vater um sechs die Augen in der Woche aufschlägt, schlägt er immer um sechs die Augen auf. AK: Mhm. Jonas: (leise) Da. Frau B.: Und… dann ja, Kind als Erstes aufs Klo, Frühstück machen, teilweise will er gar nicht aufs Klo, will sofort frühstücken. Und dann riesen Gebrüll, wenns nicht sofort fertig ist. AK: Mhm. Frau B.: Dann mit dem Kleinen raus, damit der sich austobt, Mittagessen machen, füttern, Kind ins Bett stecken, zwischendurch immer wieder zur Toilette, mal wieder was zu essen, was zu trinken anhalten, joh, wieder umziehen, wenn alles wieder pitschenass ist, oder einige (uv). Jonas: (leise) Da! Frau B.: Und nach m Mittagsschlaf wieder raus toben, oder bei ganz schlechtem Wetter dann auch hier drin. Zwischendurch einkaufen gehen.

Bei Familie Bruckner findet sich ein Muster des Alten im Neuen. Im diskursiven Entwurf der Bruckners tauchen neue Deutungsmuster von Väterlichkeit und Mütterlichkeit auf, jedoch unter dem Diktum von Familienzentrierung und alltäglicher Praktikabilität. Ein offensiver Bezug auf diese neuen Muster wie bei Familie Amann findet sich bei Familie Bruckner jedoch nicht, vielmehr versuchen sie ihren Entwurf zwischen Innovation und Tradition zu balancieren, gerade weil er innovativ ist. So entspricht ihre Familienzentrierung und Abgrenzung gegenüber früher Fremdbetreuung gerade nicht einer neoliberalen Marktintegration und Orientierung an Selbstverwirklichung. Auch auf Ebene des triadischen Entwurfs findet sich Altes im Neuen, wenn die Triade zwar einerseits in Bezug auf Vater und Mutter und die Zuweisung von Autonomie und Bindung balanciert ist, dies jedoch andererseits in starkem Maße abwehrgeprägt ist und der Regulierung von Nähe und Distanz zum Kind dient. Somit zeigt sich als ein besonderes Phänomen, dass auch balancierende Entwürfe von Autonomie und Bindung ein spezifisches Potential für Abwehrformationen beinhalten und dies nicht auf spaltende Arbeitsteilungskonstellationen beschränkt ist.

Anhand der Fälle der Familien Amann und Bruckner lässt sich somit festhalten, dass neue und alte Deutungsmuster der Partnerschaft und Elternschaft in den familialen Entwürfen gleichzeitig wirksam werden und in neuer Gestalt spezifische blinde Flecken herstellen können. So führt z.B. der gleichzeitige Bezug auf Bilder des neuen Vaters und einer traditionellen Mütterlichkeit, wie bei Familie Amann, zu einer Vorstellung von Egalität der Fürsorge beider Elternteile gegenüber dem Kind. Diese verbirgt zum einen die Implikationen traditioneller Mütterlichkeit, die gerade in der aufopfernden Fürsorge liegen, die für alle Familienmitglieder, auch den Mann, gilt. Zum anderen wird, in der Gegenüberstellung, väterliche Fürsorge unabhängig von dem Maß dessen alltäglicher Beteiligung gemacht und mit der Rolle des bürgerlichen Familienernährers versöhnt.

Als in hohem Maße prägend für den Arbeitsteilungsentwurf einer Familie zeigen sich zugleich die triadisch angelegten unbewussten Bindungsentwürfe. Diese müssen, je nach Grad ihrer Prägung durch Abwehr, mehr oder minder starr in einem bestimmten alltagspraktischen Modell verankert werden. Flexiblere innere Entwürfe können auch in verschiedene, stärker von äußeren Bedingungen abhängige Alltagspraxen integriert werden. Altes und Neues zwischen Integration und Spaltung

Ein weiteres spannendes Phänomen sind die neuen Konfliktstrukturen, die sich in den teilmodernisierten bzw. in der Transformation befindlichen Entwürfen gerade aufgrund der modernisierten Elemente ergeben. Dies ist der Fall bei Familie Carsten, deren familialer Entwurf im Folgenden als drittes typisches Muster vorgestellt werden soll. Herr und Frau Carsten sind Akademiker und haben beide ein hohes berufliches Interesse. Herr Carsten arbeitet in Vollzeit, Frau Carsten arbeitet nach neun Monaten Elternzeit halbtags. Beide beziehen sich im Gespräch sowohl auf Deutungsmuster weiblicher beruflicher Selbstverwirklichung als auch auf Muster neuer Väterlichkeit. Gleichzeitig macht Frau Carsten ihren Wunsch nach Integration der Bindung an das Kind in ihren beruflichen Entwurf deutlich und auch Herr Carsten schildert anschaulich seine Bindung an den Sohn.

Beide Elternteile erleben die Fürsorge für das Kind jedoch zugleich latent als defizitär gegenüber dem hoch besetzten beruflichen Bereich. In der beruflichen Konkurrenz zwischen ihnen ergibt sich so ein von beiden empfundener Nachteil für die teilzeitarbeitende Frau Carsten. Dieser wird von ihr durch die Abwertung und den Ausschluss ihres Mannes als Vater ausgeglichen. So entstehen mit Beruf und Familie zwei Felder der Konkurrenz, die gerade aufgrund der beruflichen Ambitionen nun beider Elternteile zu einem retraditionalisierenden Effekt führen.

Hierzu eine Szene des Gesprächs, in der der familiale Konflikt verdichtet zum Ausdruck kommt:[6]

Frau C .: Ich glaub, das ist für alle Beteiligten dann nur eh, nur Stress und… Herr C.: Zumal dann auch bei bei vielen eh frischen Eltern, dass die sich eigentlich das Leben selbst möglichst schwer machen, ja. AK: Mhm. Herr C.: Weil sie irgendwie, ich weiß nicht, es einfach viel zu kompliziert alles machen. Frau C.: Ehm ja gut, es ist halt ehm, und es war jetzt halt auch so, genau wie, bei mir, wenn man, das ist, nein!, das is is schon n Problem, ich mein, die Männer habens dann einfach schon von der Stellung her einfach leichter. Ich mein, man muss zwar seine ganze Freizeit organisieren, aber im Prinzip im Berufsleben ändert sich nichts. Außer dass du vielleicht manchmal n bisschen unausgeschlafener morgens aufstehst (lacht) weil, mit allem der Kleine zweimal nachts gekräht hat, aber ansonsten ändert sich ja nicht viel. Und ehm, gut ich hatte jetzt für mich, eh also ich hatte vorher schon beschlossen, ok, wenn ich n Kind kriege, dann will ich mich auch darum kümmern. Und ehm, ich weiß nicht, wenn ich nicht, also ich war mit, ja, mitten im Studium ehm in Paris als Au-pair-Mädchen und wenn ich die Erfahrung da nicht gemacht hätte, wüsst ich nicht, ob ich die Entscheidung so arg leicht getroffen hätte. Am Anfang, also anfangs zu sagen, ok, es ist für mich klar, dass ich n Jahr lang nicht arbeite. AK: Mhm. Frau C.: Weil ich da Herr C.: (setzt an) Frau C.: Bitte? Herr C.: Das entscheidet sich dann schon (?) Frau C.: (lacht) Ja, das ist mir schon klar (lacht) aber wir hatten hier eigentlich keine Diskussionen, damals.

In diesem diskursiven Schlagabtausch und latenten Geschlechterkampf diskreditiert Herr Carsten Wünsche weiblicher Berufstätigkeit als »es sich kompliziert machen« und Frau Carsten kontert mit einer Schwächung der Bedeutung der Väterlichkeit und der Veränderungen des Vaterwerdens.

Die familiale Triade schwankt in diesem Fall zwischen einer balancierten Gestalt, bei der beide Elternteile versuchen, Autonomie und Bindung zu integrieren, und einer drohenden Fragmentierung und Spaltung im Sinne eines wechselseitigen erstarrenden Ausschlusses und Rückzuges. Der Bindungs- und Autonomieentwurf der Familie Carsten ist dabei gleichsinnig zur hohen Besetzung des Berufsbereiches und der von den Eltern ausgeübten ökonomisch-technischen Berufe ein an Anleitung und Handlungsaktivität orientierter, der sich im Gespräch u.a. in den ausgeprägten Wünschen, den Sohn in gemeinsame Aktivitäten einzubinden, festmachen lässt. Dieser zunächst von beiden geteilte Entwurf droht in der Fragmentierung in männliche Autonomie und weibliche Bindung gespalten zu werden.

Bei Familie Carsten findet sich so ein typischer transitorischen Entwurf elterlicher Arbeitsteilung, bei dem die Frau und Mutter zwar gleichermaßen in den Arbeitsmarkt integriert ist und einen ähnlichen Autonomie-Bindungsentwurf wie der Mann und Vater hat, jedoch gleichzeitig noch eine stärkere weibliche Zuständigkeit vor allem für das kleine Kind erlebt und alltagspraktisch umgesetzt wird. In dieser Gleichzeitigkeit von Altem und Neuem, die sich auf allen Ebenen des Lebensentwurfes finden lässt, kann es nun zu Retraditionalisierungsprozessen kommen, bei denen die neue Konkurrenz der Eltern vor allem im beruflichen Bereich und die Konkurrenz des Erwerbsbereiches mit dem Bereich der Familie nicht von den Eltern balanciert und in einer Weise (aus-)gehalten werden kann.

Die Carstens sind von den vorgestellten Familien die Familie, die am ehesten einen neoliberal geprägten Entwurf von handlungsorientierter Autonomie und Selbstverwirklichung vertritt, der für beide Geschlechter gleichermaßen gilt. Die Geburt des Sohnes und die daraus folgende Anforderung an Bindung und Fürsorge führen jedoch zur einer Vertiefung des erlebten Grabens zwischen Beruf und Familie und zu einer erneuten Geschlechterdifferenz.

VI Fazit

Anhand der drei als typische Muster vorgestellten familialen Arbeitsteilungsentwürfe zeigt sich die Komplexität gesellschaftlichen Wandels, bei dem individuelle, familiale und kollektive Wandlungsprozesse zwar in hohem Maße voneinander abhängig, zugleich jedoch in keiner Weise linear aufeinander bezogen sind. Vielmehr lassen sich verschiedene Konstellationen herausarbeiten, bei denen die Ebene gesellschaftlicher Deutungsangebote in unterschiedlicher Weise aufgegriffen und gleichzeitig die unbewussten Entwürfe in der alltäglichen Praxis untergebracht und mit den gesellschaftlichen Deutungsangeboten vermittelt werden. Die Deutungsmuster zeigen sich somit als interpretationsoffen und mit verschiedenartigen subjektiven Bedeutungen belegbar, wodurch gesellschaftliche und subjektive Sinnkonstruktionen zwar voneinander abhängig, aber nicht eindeutig aufeinander bezogen sind. Deutlich sind die fallspezifisch ausgeprägten Kongruenzen, aber auch Spannungsverhältnisse in den Lebensentwürfen, die zwischen der jeweiligen Selbstdeutung und diskursiven Verortung der familialen Alltagspraxis und dem darin zum Ausdruck gebrachten inneren Entwurf bestehen. Dass die Praxis immer noch den gesellschaftlichen Vereinbarkeitsidealen hinterherhinkt, kann jenseits der Betrachtung der strukturellen Bedingungen verstanden werden, wenn man nicht nur die Ebene kognitiver Entwürfe betrachtet, sondern diese konsequent mit der psychosozialen Ebene in Verbindung bringt. Familie ist so nicht nur ein kognitives »Projekt« das der individuellen Gestaltung, bzw. auch den neoliberalen Dynamiken unterliegt, sondern bleibt immer zugleich geprägt durch unbewusste Themen, die sich der bewussten Gestaltung wie auch dem unmittelbaren Zugriff im gesellschaftlichen Wandel entziehen und diesem vorauseilen oder von ihm überholt werden können.

Autonomie und Bindung können dabei als Kernelemente der Konstruktion von Geschlechterdifferenzen gelten. Der Umgang mit beiden Themen in den Familien im Kontext der elterlichen Arbeitsteilung wie auch deren im Hintergrund stehende gesellschaftliche Konstruktion im Kontext aktueller Dynamiken, können somit Aussagen liefern darüber, wie der Wandel des Geschlechterverhältnisses abläuft und wie sich gesellschaftliche Veränderungen auf Familien auswirken. In den drei vorgestellten Mustern lassen sich dabei drei historisch zeitgleich auftretende Konstruktionen feststellen: ein Muster der Spaltung von Autonomie und Bindung, ein Muster der Balance von Autonomie und Bindung, das jedoch abwehrgeprägt ist und ein fragiles Muster der Balance von Autonomie und Bindung mit drohender Rückkehr zu traditionellen Geschlechterkonstrukten. Im Vergleich der beiden letztgenannten Muster zeigt sich zudem einerseits eine teilweise Abgrenzung von Marktinteressen und Zentrierung um Familie und andererseits eine gesamtfamiliale Orientierung an Interessen beruflicher Verwirklichung und dabei handlungsorientierter Autonomie. Diese im Sinne traditioneller Männlichkeit für nun beide Geschlechter entworfene Autonomie gerät in Widerspruch zur Bindung in der Familie und trägt zu paradoxen Retradtionalisierungsprozessen bei.

Rückbezogen auf die anfangs erörterten Widersprüche des neoliberalen Wandels bzw. des Wandels des Geschlechterverhältnisses lässt sich somit noch einmal festhalten, dass beide Prozesse weder generell noch aufeinander bezogen linear ablaufen und zudem auch heterogene und gegenläufige Prozesse hervorbringen können. Der Möglichkeitsraum für egalitäre Geschlechterverhältnisse bzw. eine egalitäre Arbeitsteilung und die Balance von Beruf und Familieist wie gezeigt mehrfach bestimmt und es kommt regelhaft zu komplexen Spannungsverhältnissen von Altem und Neuem.

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Endnoten:

[1]

Z.B. zeigen relativ aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zum Elterngeldbezug, dass 74% der Mütter gegenüber 4% der Väter ein ganzes Jahr Elterngeld bezogen (Pressemitteilung Nr. 212 vom 08.06.2009). Vgl. auch die Verhältnisse von Voll- zu Teilzeitarbeit bei Männern und Frauen – mehr als 4/5 der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen (Beschäftigungsstatistik vom 30.09.09).

[2]

Vgl. Pfau-Effinger (1998) zur besonderen Situation Deutschlands im internationalen und historischen Vergleich.

[3]

Ein anschauliches Beispiel hierzu aus dem Bereich der pränatalen Diagnostik: Samerski (2008).

[4]

Mit der Perspektive einer psychoanalytisch fundierten soziologischen Hermeneutik wird auch die oben bereits als ein gesellschaftliches Konstrukt problematisierte »Entscheidung« noch einmal in ihrer mehrdimensionalen Bestimmtheit fassbar: als soziales wie individuell und auch unbewusst bestimmtes Geschehen.

[5]

Für hermeneutische Rekonstruktionen gilt, dass ihre verkürzte Widergabe problematisch ist und die Nachvollziehbarkeit von Interpretationen sich zumeist nur aus der Gestalt und dem Kontext der gesamten Fallrekonstruktion ergibt. Ich möchte dennoch auf die Fallrekonstruktionen Bezug nehmen und verweise auf die vollständig veröffentlichte Darstellung an anderer Stelle, Familie Lehmann, Bruckner und Hansen (Kerschgens 2009).

[6]

Unmittelbar vorher kreist das Gespräch um die Möglichkeit der mütterlichen Berufstätigkeit während der Stillzeit.

Autorenhinweis

Anke Kerschgens

Anke Kerschgens, Dr. Phil., Soz. M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der J.W. Goethe-Universität, Frankfurt; Gruppenanalytikerin. Arbeitsschwerpunkte: Familie, Geschlechterforschung, psychoanalytisch-soziologische Hermeneutik

Dr. Phil. Anke Kerschgens., Soz. M.A. Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften, Fach 100 FB 03 Robert-Mayer-Str. 5 D-60054 Frankfurt Tel.: 069-798-23868

E-Mail: kerschgens@soz.uni-frankfurt.de