Kerndimensionen, Zentralität und Inhalt. Ein interdisziplinäres Modell der Religiosität.

Stefan Huber

Abstract


Der theoretische Kern des Artikels ist ein interdisziplinäres Modell der Religiosität. Darin werden religionspsychologische Kategorien soziologisch fundiert sowie religionswissenschaftlich ausdifferenziert und vertieft. Sein Hauptzweck ist die Bereitstellung eines theoretischen Rahmens für eine möglichst umfassende, differenzierte und systematische Abbildung der inhaltlichen Vielfalt von individuellen religiösen Konstruktionsprozessen. Dadurch sollen insbesondere Forschungen zur psychologischen Relevanz religiöser Inhalte und zu ihrer Repräsentation in individuellen psychischen Systemen inspiriert werden. Im empirischen Teil wird der Fokus auf die psychologische Kategorie der Zentralität der Religiosität gerichtet, die eine der drei Hauptachsen des theoretischen Modells konstituiert. Datenbasis ist der internationale und interreligiöse Religionsmonitor 2008 (N=21086). Zunächst wird eine neue, stärker interreligiös konzipierte Version der Zentralitätsskala validiert. Danach stehen Befunde zu Interaktionen von Zentralität und Inhalt der Religiosität im Vordergrund. Dabei wird die empirische Gültigkeit der idealtypischen Unterscheidung zwischen Hochreligiösen und Religiösen getestet. Die Daten belegen, dass religiöse Inhalte in den psychischen Systemen von Hochreligiösen differenzierter repräsentiert sind und in ihnen einen stärkeren Einfluss auf das allgemeine Erleben und Verhalten ausüben. Im Ausblick werden religionspsychologische Potentiale der dialektischen Denkfigur eines »qualitativen Sprungs« angedeutet.

Schlagworte


Religiosität; Messung; Multidimensionalität; Interdisziplinarität; Zentralität; persönliche Konstrukte; tertium comparationis

Volltext:

PDF