Rekonstruktion der kommunikativen Bedeutung von Kinderzeichnungen: Typen kindlicher Bildproduktion

Rita Balakrishnan, Heike Drexler, Elfriede Billmann-Mahecha

Abstract


In diesem Beitrag wird eine empirisch begründete Typologie von Kinderzeichnungen vorgestellt, die sich an der rekonstruierten Mal- und Mitteilungsintention des Kindes orientiert. In einer Längsschnittstudie wurde der Entstehungsprozess von 1011 Zeichnungen von Vorschulkindern (N=57) videographiert. Die Analyse von Zeichenprozess, Endprodukt und Erklärungen des Kindes ist Ausgangspunkt der Typenbildung. Es lassen sich drei Typen von Kinderzeichnungen identifizieren, in denen sich die kindliche Darstellungsabsicht widerspiegelt. So kann bei der zeichnerisch-bildlichen Kommunikation von Vorschulkindern unterschieden werden zwischen: 1) Einfachen Darstellungen, in denen die Intention zur graphischen Abbildung dominiert; 2) Beschreibungen von Weltwissen, wodurch Kinder explizit eigene Vorstellungen zum Ausdruck bringen und erklären; und 3) Erzählbildern, in denen eine (Phantasie-)Geschichte entwickelt und erzählt wird. Während im jungen Vorschulalter der erste Typ von Kinderzeichnungen eindeutig überwiegt, nehmen Typ 2 und insbesondere Typ 3 über die Erhebungszeitpunkte hinweg deutlich zu, was darauf hinweist, dass die kindliche Kommunikation über und durch Bilder mit zunehmendem Alter an Bedeutung und Inhalt gewinnt.

Schlagworte


Kinderzeichnung; zeichnerisch-bildliche Kommunikation; Vorschulalter; Zeichenprozessanalyse; Typenbildung

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