Polyamorie: Mono-Normativität – Dissidente Mikropolitik – Begehren als transformative Kraft?

Marianne Pieper, Robin Bauer

Abstract



Mit Mono-Normativität bezeichnen wir die Wissensproduktionen, Machttechnologien und Praktiken, die eine exklusiv dyadische Struktur von Paarbeziehungen als elementare und »natürliche« Form des Zusammenlebens produzieren. Nicht-monogame Konstellationen werden demgegenüber pathologisiert und als Effekt oder Verursachung eines Mangels oder Persönlichkeitsdefizits interpretiert.
Auf der Basis qualitativer empirischer Studien gehen wir der Frage des Begehrens im Zusammenhang mit polyamourösen Lebensformen nach. In unserer Empirie zeigt sich Begehren weniger als Mangel, sondern als affektive Intensität, die Fülle produziert. In der theoretischen Linie von Spinoza und Deleuze/Guattari untersuchen wir Begehren als produktive, dynamische Kraft, die Veränderungsprozesse antreibt. Wir erörtern, ob und inwieweit Lebensformen einer »ethischen Polyamorie« als "Fluchtlinien" und "unwahrnehmbare" Mikropolitiken gelesen werden können, die der mono-normativen Matrix entkommen und somit in bestehende Herrschaftslogiken intervenieren. 

Schlagworte


Polyamorie; Monogamie; Mono-Normativität; Nicht-monogamie; Begehren; Affekt; Agencement; Eifersucht; Verhandeln

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