Das Timing von Kindern. Relationale Praktiken in spätmodernen Beziehungswelten

Waltraud Cornelißen

Abstract


Ausgehend von der Beobachtung, dass sich die Forschung zu Generativität und Elternschaft bisher sehr stark auf langlebige moderne Paarbeziehungen fokussiert, soll hier veranschaulicht werden, welche interaktiven Praktiken das Timing von Kindern in spätmodernen Beziehungen hervorbringen. Aus einem Sample von 25 Paaren bzw. Einzelpersonen werden zwei Fälle ausgewählt und einander gegenübergestellt. Das erste (moderne) Paar folgt dem in Westdeutschland institutionell gestützten und kulturell verankerten Programm zur Familiengründung. Sein erstes Kind wird geboren, nachdem sich das Paar die normativ erwarteten und subjektiv gewünschten Voraussetzungen für seine Familiengründung geschaffen hat. Diesem Paar wird eine Frau in spätmodernen Beziehungswelten gegenübergestellt. Ihr Timing folgt weder einem vorgegebenen, noch einem eigenen langfristigen Plan. Die handlungsleitenden Maßstäbe für die Akzeptanz von nicht beabsichtigten Schwangerschaften und die emotionalen Impulse zugunsten von gewollten Schwangerschaften sind in ihrer spätmodernen Beziehungswelt sehr situationsgebunden und hoch individualisiert. Die Annahme eines standardisierten Kosten-Nutzen-Kalküls und einer zukunftsorientierten Planung trägt zur Erklärung des Timing von Kindern in spätmodernen Beziehungswelten wenig bei. Den im modernen Sinne »richtigen« Zeitpunkt für Kinder gibt es in spätmodernen Beziehungswelten nicht.

Schlagworte


Individualisierung und Institutionalisierung von Lebensläufen; Timing von Schwangerschaften; moderne Beziehungen; spätmoderne Beziehungswelten; kontrastierende Fallanalyse

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