Der Psychiater als guter Elternschaftskonstrukteur? Eine Fallanalyse am Beispiel von Hausarbeit

Eva Tolasch

Abstract


Der Beitrag widmet sich der Frage, durch welche Techniken und Deutungsmuster »gute Eltern« am Beispiel von Hausarbeit in psychiatrischen Gutachten in Kindstötungsakten konstruiert werden. Elternschaft wird als Fürsorgebeziehung konzeptualisiert. Mit der Methode der diskursanalytischen Aktenuntersuchung, erweitert um wissenssoziologische Aspekte, wird exemplarisch ein Fall analysiert. Dieser Fall einer Mutter, die der zweifachen Kindstötung beschuldigt ist, ist deshalb so interessant für die normative Verhandlung von guter Elternschaft, weil die beschuldigte Mutter in einer alternativen Lebensform (Wohngemeinschaft) gelebt hat: Welche geschlechtsbezogenen und personenbezogene Responsibilisierungstechniken tauchen in den Deutungsmustern des Gutachters auf? Der Beitrag zeigt, dass Gutachten keine neutralen Tatsachenberichte sind, sondern das Gutachten elterliche Tatsachen hervorbringen. Ferner verweisen die Ergebnisse darauf, dass psychiatrische Gutachter_innen als feldabhängige Konstrukteure von guter Elternschaft verstanden werden können.

Schlagworte


Psychiatrisches Gutachten; Elternschaft; Kindstötung; Diskursanalyse; Aktenanalyse; Gender

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