Kinder erleben den Weltkrieg

Helmut E. Lück, Miriam Rothe

Abstract



Der Beitrag stellt empirische Untersuchungen zu den Wirkungen des Ersten Weltkriegs auf Kinder dar. Die Untersuchungen stammen ausnahmslos aus den ersten Kriegsmonaten und fast alle aus dem Deutschen Reich. Bei den Anlässen für die Untersuchungen spielten der Bund für Schulreform und pädagogische Fragen des kriegsbezogenen Unterrichts in den verschiedenen Schulformen eine wichtige Rolle. Initiator mehrerer Studien war William Stern. Die heute weitgehend unbekannten, aber forschungsmethodisch teils innovativen Untersuchungen machten Gebrauch von Beobachtungen, Befragungen, Analysen von Aufsätzen, Kriegsgedichten, Kinderspielen, Kriegszeichnungen und Interpretationen der Wirkungen von Kriegsbildern auf Emotionen von Kindern. Ergänzt wird der Beitrag durch einen Bericht über die Ausstellung »Schule und Krieg«, die unter großer Beachtung 1915 in Berlin stattfand und u.a. Schülerarbeiten zeigte. Die Ergebnisse der Untersuchungen belegen, dass innerhalb weniger Wochen das Schulleben völlig verändert war und die Schulkinder recht unkritisch in die patriotischen Ziele der Erwachsenen einbezogen wurden. Alters-, Geschlechts- und Schulformunterschiede sind erkennbar. Neben Kriegsbegeisterung, Verherrlichung von Kaiser, Militär und Waffen (z. B. Zeppelin) usw. bis hin zu Feindeshass sind vor allem bei den Schülerinnen auch deutliche Zeichen von prosozialen Haltungen erkennbar.

Schlagworte


Weltkrieg; Schule; Pädagogik; William Stern; kriegsbezogener Unterricht; Schulreform

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