»The patient is extremely pessimistic about his personal role in the war«

Knuth Müller

Abstract



Eine a-politische Psychoanalyse, wie sie Ernest Jones (A. Freud 1949) – einer träumerischen Wunscherfüllung gleich – zu belegen vorgab, existierte weder zu Zeiten Sigmund Freuds noch danach. Während eine erste, sich anbahnende militärische Zusammenarbeit der organisierten Psychoanalyse auf dem 5. Budapester Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) 1918 durch das Ende des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochen wurde – »Der junge Morgen, der für die Psychoanalyse angebrochen schien, hat sich sehr rasch wieder mit schwerem Gewölk umzogen« (Freud an Eitingon am 6. April 1919, in: Schröter 2005, S. 151) – bot der Zweite Weltkrieg für die IPA-akkreditierte American Psychoanalytic Association (APsaA) umso mehr Chancen eines Joint Venture mit militärisch-nachrichtendienstlichen Netzwerken. Eine Schlüsselposition in dieser Zusammenarbeit nahm das Chicago Psychoanalytic Institute unter Franz Alexander ein. Im Auftrag der APsaA führten renommierte AnalytikerInnen, wie z. B. Franz Alexander, Therese Benedek oder Michael Grotjahn ab Ende 1941 eine Studie zur Analyse und »Heilung« sogenannter »revolutionärer [d.h. isolationistischer, faschistischer und kommunistischer] Einstellungen«, von AnalysandInnen durch, deren Analyseaufzeichnungen schließlich einer Unterabteilung des ersten, von William J. Donovan geleiteten, US-amerikanischen Geheimdienstes Office of the Coordinator of Information (COI) überantwortet wurden. Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam und wie diese im Einzelnen aussah, wird im Folgenden anhand ausgewählter Archivdokumente skizziert.

Schlagworte


Office of the Coordinator of Information; Office of Strategic Services; American Psychoanalytic Association; Chicago Psychoanalytic Institute; Franz Alexander; Zweiter Weltkrieg; totalitäre/revolutionäre Einstellungen

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