Jungs und junge Männer, die sich selbst verletzen – ein Ansatz zur Biografie- und Lebensweltorientierung

Harry Friebel

Abstract


Das Drehbuch Männlichkeit wird im gesellschaftlichen Modernisierungsprozess entgrenzt und generiert eine neue männliche »Verletzungsoffenheit«. Bisher galt die »psychisch gestörte junge Frau« als Prototyp des selbstverletzenden bzw. selbstschädigenden Verhaltens. Es erscheint aber sinnvoll und notwendig, jenseits der traditionellen Genderdiskurse auf einen Wandel der Konstruktion von Männlichkeit (und Weiblichkeit) zu reflektieren, dass nämlich männliche Verletzungsmächtigkeit und männliche Selbstverletzung nicht widersprüchlich sind. Zigtausende Jungen und junge Männer »ritzen« sich. Sie erleben seelisches Leid, aber spüren auch die Erwartung, dass sie »coole« Jungen sein müssen, um »richtige« Männer zu werden. Warum aber wird das selbstverletzende Verhalten bei Jungen tabuisiert? Weil traditionelle Männlichkeitsmythen keine Selbstverletzung erlauben! Der Junge darf aggressiver Täter sein; autoaggressives Opfer aber nicht. Männlichkeit ist für viele Jungen ein Stressfaktor. Es geht darum, starke entgegenkommende Beratungs-, Hilfs- und Handlungszusammenhänge zur Bewältigung schwieriger und kritischer Passagen der Männlichkeitssozialisation zu entfalten.

Schlagworte


Männlichkeitskonstruktion; Selbstverletzendes Verhalten; Genderdiskurs; Jungen (bzw. Buben); Lebenswelt; Biografie; Arbeit mit Jungen

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