Art-based Public Sociology

Performative Sozialwissenschaft am Beispiel des Architekturfestivals »72 Hour Urban Action«

Robert Jende

Journal für Psychologie, 28(1), 86–107

https://doi.org/10.30820/0942-2285-2020-1-86 CC BY-NC-ND 3.0 DE www.journal-fuer-psychologie.de

Zusammenfassung

Dieser Beitrag reflektiert eine zweisemestrige Lehrforschung im Fachbereich Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Erforscht wurde mittels einer teilnehmenden Beobachtung der Prozess des ersten internationalen Echtzeit-Architekturfestivals »72 Hour Urban Action«, das vom 2. bis 5. Mai 2019 inmitten der Großwohnsiedlung Lobeda-West in der Peripherie von Jena stattfand. Die Mission der architektonischen Intervention bestand darin, zehn neue Orte der Begegnung zu schaffen und die Anwohner*innen des Quartiers für die Gestaltung des öffentlichen Raumes zu aktivieren. Als Feldforscher*innen arbeiteten wir eng mit Stadtplaner*innen, Kulturschaffenden und Künstler*innen zusammen und wurden zu einem Teil des Untersuchungsgegenstandes. Wir entwickelten künstlerische Präsentationsformen und trugen relevantes Wissen über den Stadtteil zur Realisierung des Architekturfestivals bei. Welche Potenziale eine partizipative Stadtraumentwicklung und welche Rolle performative Sozialwissenschaft dabei spielen kann, soll in diesem Beitrag ausgeleuchtet werden.

Schlüsselwörter: Performative Soziologie, Recht auf Stadt, »72 Hour Urban Action«, Ethnografie, partizipative Forschung, Experimentalismus

Summary
Art-based Public Sociology. Performative Social Science using the example
of the Architecture Festival »72 Hour Urban Action«

This article reflects upon the experience of a two-semesters research project at the Department of Sociology at the Friedrich Schiller University in Jena. It deals with a participant observation of the first international real-time architecture festival »72 Hour Urban Action«, which took place from 2 to 5 May 2019 in the middle of the large housing estate Lobeda West in the periphery of Jena. The mission of the architectural intervention was to create ten new meeting places and to encourage the neighbourhood’s residents to participate in the design of public spaces. As field researchers, we worked closely with urban planners, cultural and creative artists and by doing so became part of the research object. We developed artistic forms of presentation and provided relevant knowledge about the district throughout the process of realizing the architecture festival. The aim of this article is to shine a light upon the potential of participatory urban space development and the role of performative social science in the process.

Keywords: performative sociology, right to the city, »72 Hour Urban Action«, ethnography, participatory research, experimentalism

Vorspiel: Den öffentlichen Raum anverwandeln

»… der öffentliche Raum wird als gesellschaftlicher Raum verstanden, der allen gehört und den sich jeder aneignen und gestalten darf.«

Rauterberg (2016, 14)

Etwa 120 Personen in orangefarbenen Latzhosen versammeln sich auf einem Platz. Das Wetter ist strahlend sonnig, bei angenehm warmer Temperatur um die 20 Grad Celsius. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Es kann losgehen: »72 Stunden Urban Action« (72HUA), das erste Echtzeit-Architekturfestival der Welt, in der Plattenbausiedlung Lobeda-West in der Lichtstadt Jena. In zehn Teams, die jeweils zur Hälfte aus Bewohner*innen und zur Hälfte aus Künstler*innen, Handwerker*innen und Designer*innen bestehen, werden in den kommenden Tagen zehn neue Orte der Begegnung gestaltet und aufgebaut.

Die versammelten Leute wurden bereits in ihre Teams eingeteilt. Es werden Gruppenfotos gemacht und der Schlachtruf »HUA! HUA!« geprobt. Erste teaminterne »Vergemeinschaftungstänze« werden dargeboten. Nach der Markierung des eigenen Platzes am Infopoint vor dem KuBuS, dem Zentrum für Kultur, Begegnung und Sport des Stadtteils, zieht der Tross auf die andere Seite der Karl-Marx-Allee, hinter dem zentral gelegenen Kaufland vorbei, wo zu DDR-Zeiten noch der Freiluftmarktplatz des Stadtteils angesiedelt war, Richtung Stauffenbergstraße. Sie durchqueren einen Tunnel. In Jubelposen lassen sich die Teilnehmer*innen der Urban Action abermals ablichten. Es wird Präsenz im Viertel gezeigt, was nicht unbemerkt bleibt. Sonne und Stimmung in Einklang.

Einige Passant*innen wollen mit ihren prallen Einkaufstüten den angefüllten Tunnel durchqueren; so, wie sie es sonst auch immer tun. Doch heute ist etwas anders: Eine grellorangene Schikane aus Menschen versperrt den Weg. Manche Anwohner*innen wirken genervt, da ihre routinierten Alltagsbahnen blockiert sind; andere wiederum neugierig und interessiert. Eine ältere Dame wird Teil der Selbstinszenierung der 72HUA-Gruppierung. Der Hinweis, dass hier soeben Fotos geschossen werden, lässt sie entweder kalt oder ermuntert sie gar, sich durch die Menge bis ganz nach vorn an die Spitze zu wühlen. Sie spricht ihre unmittelbaren Nachbar*innen an und wird für einen kurzen Moment zu einem Teil der sich formierenden temporären Gemeinschaft. Die orangene Menge schiebt sich weiter durch den Tunnel, rechts um die Ecke, und positioniert sich längs der Stauffenbergstraße entlang. Jubel und Tanzbewegungen sollen die Aufmerksamkeit der Bewohner*innen auf sich ziehen. Ein Radfahrer, der die Straße entlangfährt, klatscht die Leute der Reihe nach ab.

In einzelnen Teams entstehen bereits wiedererkennbare Bewegungen und gruppenspezifische Verkleidungen, welche die Identifikation mit dem eigenen Team stiften sollen. Ein Team hebt sich durch eine besonders archaische körperliche Gruppensprache und Rituale der Gruppenkonstitution hervor. Es werden selbst gebastelte Glitzerflaggen geschwenkt und in triumphaler Geste Plätze besetzt, während die Mitglieder die Augen mit Glitzerfolie verbunden hatten. Es kann geradezu in Echtzeit beobachtet werden, wie der*die Einzelne seine*ihre individuelle Identität ablegt und eine sich neu formierende Gruppenidentität überstreift.

Wissenschaft im Dialog mit der Gesellschaft

»Es wird höchste Zeit, den selbst gewählten soziologischen Aussichtsturm zu verlassen und in den Strom des Geschehens einzutauchen.«

Bogusz (2018, 33)

Die eingangs dargestellte Szene beschreibt den Auftakt des internationalen Echtzeit-Architekturwettbewerbs »72 Hour Urban Action«, der seit 2010 bereits unter anderem in Städten Israels, Dänemarks, Deutschlands, Italiens oder der Türkei durchgeführt wurde. Die Mission dieser urbanen Intervention ist die Verbindung lokaler Bedürfnisse zur Gestaltung des öffentlichen Raumes in Wechselwirkung mit einer Aktivierung der hiesigen Anwohnerschaft. Für eine begrenzte Zeit soll in einem definierten Stadtgebiet spielerisch politische Selbstwirksamkeit erfahren werden, indem Menschen zusammenkommen und ihren Lebensraum gemeinsam gestalten.

Vom 2. bis 5. Mai 2019 wurde dieses urbane Aktivierungsexperiment in Lobeda-West, einer Plattenbau-Trabantensiedlung im peripheren Raum der Universitätsstadt Jena, realisiert. Mitte der 1960er Jahre wurde der Stadtteil für die Unterbringung einer wachsenden Zahl von Arbeiter*innen – vor allem des Carl-Zeiss-Kombinats – konzipiert. Die Großwohnsiedlung besteht zu knapp über der Hälfte aus Einpersonenhaushalten und hat mit 26,7 Prozent den zweithöchsten Anteil an ausländischen Bewohner*innen der Stadt (Stand 2018).1 Auf engem Raum ballen sich hier vielfältige Lebensformen – von Erstbewohner*innen der 1960er Jahre über Studierende, die günstigen Wohnraum in einer wirtschaftlich florierenden Stadt in Tallage suchen junge Familien, die nach einer geeigneten Wohnungsgröße zu bezahlbarerer Miete Ausschau halten, bis zu Neuankömmlingen aus aller Welt, die als Hightech-Fachkräfte angeworben werden oder als Geflüchtete hier Asyl suchen. Kulturelle und soziale Diversität sind wesentliche Merkmale des Viertels.

Ab den 1990er Jahren, im Zuge der Umwendung der DDR und ihrer Eingemein­dung in die politische Verfassung der BRD, wurde der Ortsteil zunehmend zu einem »sozialen Brennpunkt«. Im benachbarten Winzerla entstand zur gleichen Zeit die Keimzelle des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Es begannen bundesdeutsche Maßnahmen (Soziale Stadt, Expo 2000), um dem steigenden Bevölkerungsschwund und den sozialen Spannungen entgegenzutreten (vgl. ausführlich zur Entwicklung des Stadtteils in den letzten 50 Jahren Weilandt und Poschmann 2018). Diese abgekürzte Zusammenfassung bildet die historische Ausgangslage und den sozialen Hintergrund für die architektonische Intervention durch die 72HUA.

Wissenschaftlich flankiert wurde das Architekturfestival von einer Forschungsgruppe der hiesigen Universität. Mit der Lehrforschung »Gemeinsam Gesellschaft gestalten. Performative Soziologie als öffentliche Aktionsforschung« wurde ein Format performativer Sozialwissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Wintersemester 2018/19 und im Sommersemester 2019 in forschender Lehre im Fachbereich Soziologie durchgeführt. Das erste Semester diente der Vorbereitung zur Erarbeitung theoretischer Perspektiven und qualitativ-empirischer Methoden. Das zweite Semester bestand im Wesentlichen aus der Feldforschung. Einerseits waren wir als teilnehmende Feldforscher*innen vor Ort, führten Feldtagebücher und Interviews und unterstützten die Umsetzung der Urban Action mit Hilfsarbeiten als eine Form der »öffentlichen und experimentalistischen Kollaboration« (Bogusz und Reinhart 2018, 345). Andererseits entwickelten wir aus Interviews eine Sprachperformance und aus der Vorbereitungsphase ein selbstgestaltetes Magazin mit zentralen Informationen zum Stadtviertel in der Ästhetik eines Fanzines und wurden während der 72 Stunden von einem Dokumentarfilmteam begleitet. Wir – das soziologische Forscher*innenkonnektiv – experimentierten mit unterschiedlichen Disseminationsstrategien und strebten damit »einen breiteren Verwertungszusammenhang« (Mey 2018, 17) an, als dies in der Regel von traditioneller empirischer Sozialforschung angestrebt wird. Die öffentliche Lehrforschung lässt sich so, im Sinne performativer Sozialwissenschaft, als eine öffentliche Soziologie mit künstlerischen Ausdrucksformen beschreiben – eine Art-based Public Sociology.

Dabei gingen wir durch eine 1) »Ko-Definition von gesellschaftlich relevanten Problemlagen«, 2) »Ko-Produktion von Wissen«, 3) »Ko-Praxis in lokalen Handlungsfeldern« und 4) »Ko-Präsentation von Lösungen« (Selke 2015, 189) Komplizenschaften mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten ein. Das erste Merkmal einer Sozialwissenschaft im Dialog mit Öffentlichkeit(en) war mit konvergierenden Auffassungen über den Umgang mit öffentlichem Raum weitgehend unstrittig erfüllt. Das Organisationsteam der 72HUA suchte eine Begleitforschung und eine – bis dato im Aufbau befindliche – performative Soziologie war der geeignete Partner und die Gelegenheit wurde beim Schopfe gepackt. Die gesellschaftlich relevanten Problemlagen, wie gesellschaftliche Polarisierung und soziale Konflikte, waren gemeinsamer Ausgangspunkt aus städtischer Perspektive; die Anverwandlung und Aktivierung des öffentlichen Raumes wurde zum gemeinsamen künstlerisch-wissenschaftlichen Unterfangen. Mit Beginn der Kooperation lernten die unterschiedlichen Akteur*innen voneinander – wir als Soziolog*innen zunächst eine Menge über die lokalen Gegebenheiten des Stadtteils und über die Schwierigkeiten der Umsetzung einer solchen künstlerischen Intervention. Im Gegenzug bereiteten wir Einsichten aus Interviews und Feldbeobachtungen auf und speisten sie in den Prozess der Ko-Praxis. Auf diese wird unten ausführlicher eingegangen. Schließlich wurden die Ergebnisse in einer kollaborativen Monografie festgehalten, in welcher Stimmen aus dem Feld genauso Eingang finden wie theoretische und praktische Möglichkeiten für die Gestaltung und zivilgesellschaftliche Aneignung des öffentlichen Raumes (siehe Jende 2020).

Zusätzlich kam es mit dem Format der Lehrforschung zu einer Verkopplung von Lernen und Explorieren. Die »Third Mission« (Henke, Pasternack und Schmid 2017) als einer öffentlichen Teilhabe an wissenschaftlichem Wissen wurde mit den beiden anderen Missionen Lehre und Forschung in einen komplexen Prozess der gegenseitigen Verschränkung und Durchdringung gesetzt. Mit der öffentlichen Lehrforschung waren wir als Forscher*innenteam Teil des Echtzeit-Architekturwettbewerbs, übten gemeinsam in der Vorbereitung qualitative Methoden ein, die wir während der 72 Stunden auf ihren Gebrauch im Feld testeten. Überdies vertieften wir uns in theoretische Bezüge zur Stadtraumgestaltung und städtischen Planung öffentlicher Räume. Forschung, Verbreitung, Gemeinschaft (»Research/Dissemination/Community«) gingen, wie von Kip Jones (2017, 3) vorgeschlagen, Hand in Hand.

Im Folgenden wird auf das Forschungsfeld, die »72 Hour Urban Action«, als Rahmen der Lehrforschung, genauer eingegangen (Abschnitt 3). Darauf folgt eine Darstellung der für die Forschung verwendeten Präsentationsformate, die in verschiedenen Genres und Textgattungen auch unterschiedliche Publika anzusprechen versuchen (Abschnitt 4). Die weitere Darstellung widmet sich der responsiven Durchführung der Feldforschung selbst, die sich in einem Wechselspiel strukturierter Methodik und adaptiver Improvisation vollzog (Abschnitt 5). Abschließend werden Perspektiven und Herausforderungen für performative Sozialwissenschaft im Allgemeinen und Art-based Public Sociology im Besonderen aufgezeigt (Abschnitt 6).

Stadtplanung zum Mitmachen

»Most of us don’t feel we are in control of our environment. And it’s true, because as individuals, very often we are not. When people decide they want to change their environment they have to come together.«

Kerem Halbrecht, Founder of 72HUA

Die »72 Hour Urban Action« versteht sich als Stadtplanung zum Mitmachen. 72HUA »is the world’s only real-time architecture competition, where international teams have only three days and three nights to design and build installations in public space to respond to local needs«, so die Ko-Direktorin und Kuratorin Gilly Karjevsky in einem Interview. Lokale Bedürfnisse der Anwohner*innen Lobeda-Wests wurden bereits im Vorfeld des Festivals sozialwissenschaftlich erhoben.2 Im Falle der Plattenbausiedlung Neulobeda, die in den 1960er Jahren in der DDR als »Schlafstadt« geplant und in kurzer Zeit errichtet wurde, traten die Bedürfnisse nach Orten der Begegnung, Sicherheit, günstigen Mieten und Natur in den Vordergrund. Es wurde auch abgefragt, welche Orte besonders beliebt sind oder gemieden werden. Parallel wurden vom Kernteams geeignete freie Flächen ausgewählt und Bedürfnisse und bebaubare Orte miteinander kombiniert. Am Ende dieses hier verkürzt dargestellten Auswahlprozesses, an dem wir als Forschende noch keinen Anteil hatten, standen zehn Orte mit einer jeweils ortspezifischen Mission fest. Mit dem Startschuss der 72 Stunden wurden diese den zehn Teams zugelost.

Den Initianden der 72HUA geht es um »partizipative Prozesse, um Teilhabe und Mitsprache an planerischen Prozessen« (Drobeck und Tran 2017, 101), wie sie zunehmend für »temporäre urbane Interventionen in der Stadtplanung« ausprobiert werden (vgl. auch Ziemer 2016). Das übergeordnete Ziel war die Aktivierung des öffentlichen Raumes. »Durch temporäre Interventionen, die gemeinsam entwickelt werden, können Alternativnutzungen eines Stadtraumes nach Bedürfnissen der Bewohner und Nutzer sichtbar gemacht und getestet werden« (Drobeck und Tran 2017, 101). Das war bei diesem Projekt der Fall. Vor allem Räume der Unsicherheit und damit Orte, die von den Anwohner*innen aufgrund der beängstigenden Atmosphäre gemieden werden (Tunnel, dunkle Ecken), städtische Fehlplanungen oder einfach nur wenig belebte und genutzte Flächen sollten verändert und neu nutzbar gemacht werden, um den Bedürfnissen nach Begegnung und Entgegnung neue Arenen zur Verfügung zu stellen. Eine Mission lautete zum Beispiel: »Erschafft eine Bühne für soziale Spannungen!« Zuvor wurde dieser Ort, eine freie Wiese vor der Saale, als Treffpunkt diverser jugendlicher Cliquen beobachtet, unter denen es gelegentlich zu sozialen Spannungen kommt. Die Installation stellte diese Analyse in den öffentlichen Raum (vgl. Abb. 1).

Einer für alle (Foto: Mor Arkadir)

Die 72HUA ist ein urbanistisches Projekt, um städtische Räume erlebbar, gestaltbar und bespielbar zu machen. Damit reagierten die Macher*innen auch auf »das Bedürfnis nach schöpferischer Tätigkeit« (Lefebvre 2016 [1968], 149) zur Förderung eines partizipativen Urbanismus. Das Urbane als städtisches Ideal bedeutet in einer Minimaldefinition: aktive Interaktionen zwischen Komplexitäten und Widersprüchlichkeiten. Der urbane Mensch ist »vielseitig, polysensorisch« und ist »fähig zu komplexen und transparenten Beziehungen mit der ›Welt‹ (der Umgebung und sich selbst)« (ebd., 152). Mit solch einer Subjektivierungsform kann sich auch zunehmend eine »Do-it-yourself-Mentalität« ausbreiten (Kaltenbrunner und Jakubowski 2018, 258), welche die historisch gewachsenen institutionalisierten Stadtplanungskonstellationen ergänzt und herausfordert – nicht immer zur Freude der Angestellten. Im Falle der 72HUA Lobeda handelte es sich um eine Zusammenarbeit, die mit JenaKultur als städtischem Akteur von offizieller Seite in den Stadtteil lanciert wurde. So konnten sich von Beginn an alle relevanten Institutionen und Personen um das Projekt versammeln. Hinzu traten staatliche und private Förderer und Sponsoren auf Landes- und Kommunalebene. Ein breites Bündnis war die Voraussetzung für die Durchführung des Architekturfestivals. Beteiligung wurde schrittweise von oben nach unten verlagert. Im Ortsteil verankerte Vereine, Initiativen und Personen wurden hinzugezogen, bei der Planung der architektonischen Interventionen waren Anwohner*innen vermittelt involviert.

Aus Beobachterperspektive handelte es sich bei diesem Projekt um eine Kollaboration. Davon ist die Rede, wenn »Institutionen unterschiedlichster Art eine gemeinsame Kampagne planen« (Rohr 2013, 29). Kollaborationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zielorientiert Probleme durch interdisziplinäre Zusammenarbeit schneller lösen können und »Austausch und Beziehungen« (ebd., 31) begünstigen. Die Senkung von Beteiligungsschwellen und das Einbeziehen verteilter Intelligenzen führen außerdem zu einer hohen Akzeptanz und einer breiteren Legitimität für Eingriffe in das Lebensumfeld. Durch die implizit mitgeführte Praxis eines Rechts auf Stadt führt die Urban Action ein anderes Prinzip des Politischen in die Praxis der Stadtplanung ein. Kunst, Politik und Verwaltung verbünden sich zu der Form eines tendenziell radikaldemokratisch politischen Raums (vgl. Bedorf und Röttgers 2010; Marchart 2010) und betreiben eine lokale Mikropolitik, die als »experimentelle Utopie« auf die Möglichkeit einer kollaborativen Demokratie (Rohr 2013) verweist. Die Rollen offizieller Stadtplanungs- und Instandhaltungsinstitutionen mussten in einem kooperativen »Konnektiv« (Ziemer 2013, 64ff.) neu ausgehandelt und erprobt werden. Deshalb meint Kollaboration auch eine »Zusammenarbeit, bei der die Akteure einsehen, dass sie selbst im Prozess verändert werden, und diesen Wandel sogar begrüßen« (Terkessidis 2015, 14). Im Sinne performativer Akte, die »das hervorbringen, was sie vollziehen« (Fischer-Lichte 2004, 44), wurde eine Stadtplanung zum Mitmachen realisiert. Das bedeutet nicht, dass dabei Wunder geschehen, doch machen Beteiligte die Erfahrung, dass eine Zusammenarbeit über institutionelle Rationalitäten hinausgehen und gelingen kann, was Veränderungen der eigenen Einstellung gegenüber solch ungewöhnlichen Praktiken zur Folge haben kann.

Helmut Willke schlug in den 1990er Jahren den systemtheoretisch fundierten Begriff – oder besser: das Verfahren – der Kontextsteuerung vor, um autonome Systeme hinsichtlich eines gemeinsamen Kontextes hin zu mediatisieren und so »die Normalität des bornierten Egoismus« zu durchbrechen (Willke 1997, 107). Vereinfacht dargestellt kreiert jedes Funktionssystem seine eigene Realität hinsichtlich seiner Funktion und die darin agierenden Personen übernehmen diese eigensinnige Anschauung in Ausübung einer institutionalisierten Rolle.

»Alles, was gewöhnlich erreichbar ist, ist negative Koordination, der Triumph der Bedenken und Einwände, die Vermeidung von Störungen der eigenen Linie, auch wenn diese Linie in selbst gestellte Fallen führt und vernünftigere Gesamtlösungen – Lösungen mit einem positiven Wohlfahrtseffekt und/oder Lösungen, die weitere Optionen schaffen – verhindert« (ebd.).

Um den Kontext eines gelingenden Architekturwettbewerbs herum, der verspricht, den Stadtteil aufzuwerten, hipper und lebendiger zu machen, entstand eine positive Koordination mit äußerst vielseitigen Akteur*innen und Interessen, die in einer Lenkungsgruppe organisiert waren. Diese setzte sich aus Mitarbeiter*innen der städtischen Verwaltung, einer Wohnbaugesellschaft, des Kulturreferats und Stadtentwicklungsdezernats, dem Ortsteilbürgermeister und anderen Lokalpolitiker*innen, Künster*innen und Designer*innen zusammen. Das Besondere an dieser Gruppe ist die systemlogikübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit, die von einer zentralen Stelle, der Projektleitung, koordiniert und moderiert wurde.

Eigenlogiken blieben zwar zum Teil in der übergreifenden Kollaboration bestehen, wurden aber produktiv genutzt und aufeinander bezogen, sodass Komplementärgemeinschaften entstanden. Das heißt, dass sich Organisation, Verwaltung und Action in entscheidendem Maße ergänzt, gestützt und zusammengearbeitet haben. Während der 72 Stunden zeigte sich diese von institutionellen Barrieren temporär entlastete Zusammenarbeit zum Beispiel in der Abnahmephase. Mehrere Statiker*innen und die Stadtplanerin saßen zusammen in einem Raum mit jeweils einem Architekturteam und haben die Pläne für das zu bauende Objekt begutachtet und hinsichtlich der Statik und Sicherheit abgenommen. Alle zehn Teams bekamen den »Stempel«, bei einigen nach einer längeren und konstruktiven Nachbesserungsphase. Die anwesenden Expert*innen gaben Hilfestellungen und fanden schließlich für alle eine – im wahrsten Sinne des Wortes – tragfähige Lösung. Dieser Prozess hat gezeigt, dass positive Koordination durch Kollaboration zu guten Ergebnissen führen kann, die von allen Beteiligten mitgetragen werden. Stadtentwicklung zeigte sich hier als »kooperatives kollektives Unternehmen« (Kaltenbrunner und Jakubowski 2018, 327). Ob aus diesen Erfahrungen der Zusammenarbeit Lernprozesse eingesetzt haben, die in Zukunft zu »Ablegereffekten« (Kropp 2014) führen und ähnliche Kollaborationen ermöglichen, bleibt offen.

Präsentationsformen

»Through interfaces with both practitioners and practices from the arts and humanities, opportunities are presented to work with academic material and expand its means of production and dissemination to novel and creative levels. […] This necessitates cooperation and collaboration. Communication and common ground are central to successful partnership and union.«

Jones (2014)

Während unserer Forschung experimentierten wir mit unterschiedlichen Disseminationsstrategien, also der öffentlichen Verbreitung unseres Materials, deren Wirksamkeit kaum zu evaluieren ist. Für uns als Soziolog*innen galt: Je vielschichtiger und künstlerisch anspruchsvoller die Darstellung, desto prekärer wird ihre Realisierung und Möglichkeit des Gelingens. Wir waren als Amateur*innen am Werk, als Liebhaber*innen im französischen Wortsinne, teilweise unterstützt von professionellen Kompliz*innen und anderen Akteur*innen der 72HUA als Ko-Produzent*innen des Outputs. Die Darstellungen verstehen sich als Interventionen zur Aktivierung und Aneignung des öffentlichen Raumes (vgl. auch Mey 2011 zur Inszenierung von Angst im öffentlichen Raum, mit der sowohl auf neue Sicherheitsdispositive in der Folge von 9/11 aufmerksam gemacht, als auch eine Selbstbespiegelung der lokalen Ängste vorgenommen wurde).

Sprachperformance

Die ersten Zwischenergebnisse aus der Beforschung des Stadtgebietes haben wir im ersten Semester der Vorbereitung in einer Sprachperformance festgehalten.3 Wir führten Interviews im Stadtteil mit Anwohner*innen und befragten sie zu ihren Einstellungen gegenüber dem Leben in Lobeda-West. Die Plattenbauten, in denen wir Befragungen durchführten, haben wir vorab auf Grundlage ihrer sozialen Milieus kartiert, um eine möglichst diverse Zufallsstichprobe zu erreichen. Also gingen wir als »Klischee-Soziolog*innen« mit Umfragezettel von Tür zu Tür, in Wohnblöcke, in denen Rentner*innen, Student*innen, Arbeiter*innen, junge Familien oder Menschen mit Migrationshintergrund leben – auch die örtliche Sozialstruktur als Klischee im Gepäck. Im Ergebnis erhielten wir dadurch ein differenziertes und ambiges Bild der Perspektiven auf die Lebensqualität in Lobeda. Mit der Absicht lokaler Selbstermächtigung stellten wir auch Fragen zu politischer Teilhabe und der eigenen Selbstwirksamkeit.

Anschließend fragten wir uns, wie wir mit den Interviewaufnahmen umgehen wollten. Wir bildeten unter Anwendung der Grounded-Theory-Methodologie (in Anlehnung an Strauss und Corbin 1996 [1990]; vgl. auch Mey und Mruck 2009) Kategorien und Konzepte. Die Anwohner*innen vor Ort thematisierten Natur, Segregation, Nachbarschaft, Mietpreise, Sicherheit und wünschten sich häufig ein Café, in dem sie sich treffen könnten. In welcher Weise diese Phänomene angesprochen wurden, war höchst unterschiedlich. Zu vielen Aussagen gab es die diametral entgegengesetzte Auffassung – manchmal sogar bei ein und derselben Person.

In Reflexionsrunden analysierten wir die erhobenen Daten und glichen sie mit den Erhebungen von den Organisator*innen ab und sprachen mit wichtigen Ansprechpartner*innen aus dem Viertel wie der Leiterin des Stadtteilbüros oder Kulturförderern. Aus dem gesammelten Datenmaterial erarbeiteten wir Ambivalenz als Schlüsselkonzept, um die kollektive Identität Lobedas spannungsreich und hinreichend verallgemeinernd auf den Begriff zu bringen. Einerseits bestehen soziale und kulturelle Differenzen, andererseits oszilliert das Selbstbild zwischen einer internalisierten negativen Außenwahrnehmung – Lobeda als sozialer Brennpunkt – und den teilweise konflikthaften Alltagserfahrungen im Quartier.

»Von Ambivalenzen kann man sprechen, wenn Menschen auf der Suche nach der Bedeutung von Personen, sozialen Beziehungen und Tatsachen, die für Facetten ihrer Identität und dementsprechend für ihre Handlungsbefähigung wichtig sind, zwischen polaren Widersprüchen des Fühlens, Denkens, Wollens oder sozialer Strukturen oszillieren, die zeitweilig oder dauernd unlösbar scheinen« (Lüscher 2012, 20).

Wir begannen im nächsten Schritt, im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie maximale Kontraste herauszuarbeiten, um die Breite des untersuchten Gegenstandsbereichs abzubilden. Doch wie kann solch ein schillerndes Konzept wie Ambivalenz dargestellt werden, ohne sie einfach nur zu behaupten oder umständlich zu begründen? Und wie lässt sich Ambivalenz überhaupt verstehen? Wir fügten kontrastreiche Zitate der Interviews zu Gesprächsausschnitten zusammen. Wir legten eine Leseabfolge fest und begannen damit, abwechselnd Aussagen der Bewohner*innen Lobedas in ein Aufnahmegerät einzusprechen. Das Ergebnis war ein etwa zehnminütiges Tondokument: Lobeda spricht (Voices of Lobeda). Damit haben wir unsere qualitative Befragung in ein Format überführt, das durch die hohe Schlagkraft wechselnder und sich widersprechender Aussagen einen sinnlichen Eindruck vom Leben im Ortsteil vermittelt. Die Tonaufnahme – eine Collage der Vielfalt von Perspektiven und Einstellungen – wurde während einer Vernissage im Ortsteil mit bewegten Luftbildern hinterlegt und mittels Kopfhörern in Dauerschleife abgespielt.

Fanzine

Auf Anregung und Wunsch der Ko-Direktorin und Kuratorin der 72HUA haben wir die Ergebnisse des ersten Semesters der Lehrforschung in einem Heft in der Ästhetik eines Fanzines festgehalten.4 »›Fanzine‹ ist ein Kofferwort aus Fan und dem englischen Wort magazine« (Sülzle 2018, 5). Für gewöhnlich werden Fanzines zur subkulturellen Kommunikation innerhalb von Jugendszenen verwendet – zum Beispiel in der Punkszene, für »Trekkis«, Science-Fiction-Fans usw. Es sind nicht-kommerzielle, im »Schnippellayout« (ebd.) amateurhaft gestaltete Do-it-yourself-Magazine von Fans für Fans. Sie sind »Medien der Bricolage« (Wertham 1973, 33). Das »Lobeda Fanzine« nutzt diese Ästhetik zur zeitgemäßen Vermittlung sozialstruktureller und lebensweltlicher Einsichten aus Lobeda, für Lobeda. Das Fanzine wurde für das Festival zur Informationsgrundlage für die weltweit angereisten Architekt*innen und zur Selbstbespiegelung der Anwohner*innen des Stadtteils.

»Lobeda Fanzine«-Frontcover (Design: Jonathan Auch)

Das »Lobeda Fanzine« ist eine Bricolage aus Design und Text, aus Theorie, Sozialstruktur, O-Tönen der lokalen Bevölkerung, aus Interviews und geschichtlichen Hintergründen des Stadtteils. Damit konnte innerhalb eines Mediums mit kurzen Texten und Visualisierungen Ambivalenz und Komplexität des Stadtteils dargestellt werden und in die Selbstbeschreibung der Bevölkerung eingehen. In aktivierender Absicht beginnt das Magazin mit einem kurzen Text zur »Gestaltung des öffentlichen Raumes«, um zunächst die Grundidee des Wettbewerbs darzustellen und den Ansatz kollaborativer Raumgestaltung ins Bewusstsein zu rufen.

»Der Architekturwettbewerb 72 Hour Urban Action ist ein Beispiel dafür, wie öffentlicher Raum in kurzer Zeit durch das Zusammenwirken vieler in einem Stadtteil verändert werden kann, um Plätze lebendiger Begegnung zu schaffen. […] Die konkrete Utopie von einer gemeinschaftlich gestalteten Stadt wird erlebbar gemacht« (Karjevsky und Jende 2019, 3).

Kollaborative Monografie

Ausgewertet und aufbereitet wurde die Feldforschung in der »kollaborativen Monografie« Öffentliche Soziologie in Aktion (Jende 2020). Mit diesem Format publizieren wir als Forscher*innengruppe und Schreibkollektiv das gesammelte Material und wollen die normative Idee eines Rechts auf Stadt soziologisch fundieren. Dabei nutzen wir narrative Formate in fiktionalen Geschichten oder Spaziergängen durch die zehn Installationen; Theoriebezüge zur Raumaneignung mit utopischem Gehalt bilden den Rahmen; und wir werteten die Potenziale und Herausforderungen der Stadtplanung zum Mitmachen aus. Komplexität wird in Geschichten kondensiert, die Anknüpfungspunkte für Praktiken der Selbstermächtigung bieten sollen. Mit Geschichten kann etwas in seinem Prozess gezeigt werden, sie beinhalten Erfahrungsqualitäten, die in Leser*innen einen emotionalen Mitvollzug anregen können. In Geschichten mit O-Tönen und beiläufigen Schilderungen überraschender Details lässt sich das gewonnene Datenmaterial in dichten Beschreibungen (Geertz 2003 [1973]) zum Sprechen bringen und auch akademieferne Publika erreichen.

Bewegte Bilder

Um auch einen audiovisuellen Eindruck von der Urban Action und der Lehrforschung zu bekommen, wurde der Prozess dokumentarisch begleitet. Damit spricht die performative Forschung ein populäres und einflussreiches Publikationsformat an, denn »gesellschaftliche Kommunikation [wird] von dokumentarischen Formen und Formaten maßgeblich mitbestimmt« (Heinze und Schlegelmilch 2019, 1). Während der Feldforschungsphase hatten wir ein vierköpfiges Kamerateam vor Ort, das Interviews mit wichtigen Akteur*innen, forschungsinterne Reflexionsrunden, den Bau der Installationen, Spaziergänge durch das Viertel, Materialfahrten und vieles mehr aufgezeichnet hat. Ein Student der Lehrforschung betreibt zusammen mit einem Nachwuchsfilmemacher eine Agentur für Werbe-, Image- und Musikproduktionen (BO VISION), die für YouTube bereits einige Videos produziert hat. Aus dieser Initiative heraus wurde der Vorschlag unterbreitet, die Feldforschung während der 72HUA filmisch und fotografisch abbilden zu lassen. Das Filmteam arbeitete direkt, das heißt, sie waren mit leichten Handkameras und einer Drohne ausgerüstet, legten keinen Wert auf Beleuchtung und konnten spontan und situativ in hoher Geschwindigkeit die Orte des Geschehens wechseln (vgl. Vertov 2012 [1926], 83). Als Ergänzung der kollaborativen Monografie sollen die Leseeindrücke erweitert und eine lebendige Vorstellung des Geschehens vermittelt werden.

Im Genre des Dokumentarischen spielt die Authentizität des Gezeigten eine wesentliche Rolle, jedoch vollzieht der Dokumentarfilm durch seine – auch technologisch bedingte – Ausschnitthaftigkeit eine Konversion des Materials (Balke 2017, 4) zu einem Kondensat des Geschehens, das in diesem Falle der generativen Idee einer Aktivierung von Stadtöffentlichkeit folgt. Der kurze Film enthält ausschnitthaft die wesentlichen Momente des Ablaufs von Forschung und Architekturfestival. Damit dienen die bewegten Bilder auch als externalisiertes Gedächtnisprotokoll, an das neue Anschlüsse generiert werden können.

Responsive Feldforschung

»Wenn Pierre Bourdieus Aussage zutrifft, dass wir ›mit dem Körper lernen‹ und sich ›die soziale Ordnung dem Körper über die dauernde, mehr oder minder dramatische, der Affektivität jedoch immer viel Raum bietende Konfrontation einprägt‹, dann ist es für den Soziologen unerlässlich, sich dem Feuer der Aktion in situ auszusetzen.«

Wacquant (2003 [2001], 270)

Loïc Wacquant war wohl einer der Ersten, der sich als performativer Sozialwissenschaftler so konsequent auf und in ein Feld eingelassen hat. Wenn er in der nachträglichen Reflexion seiner temporären Karriere als Boxer in Chicago von der »Vermischung von Genres und Schreibformen« zur Übertragbarkeit der eigenen Erfahrung berichtet, um »den Leser am sinnlichen und moralischen Alltag des gewöhnlichen Boxers teilhaben zu lassen«, geht es ihm darum, sowohl »das logische Verständnis für die sozialen Mechanismen und existenziellen Kräfte […] als auch die besondere Aisthesis« (ebd., 274) dieser Körpererfahrung zu vermitteln. Körper und Geist – Body and Soul, wie der Titel im englischen Original lautet – spielen zusammen. Seine Forschung affiziert und formt »den ganzen Menschen«. Erkenntnis bildet sich aus der Bewegung, aus der durchlebten Erfahrung (vgl. Dewey 1988 [1934]). Das going native von Wacquant führte fast dazu, dass er seine neue Identität nicht mehr verlassen wollte. Er wurde zu einem Teil seines Feldes und verlor schließlich die Distanz.

Prus und Dellwing (2012, 10) sprechen in ihrer Soziologie im Außendienst von einem »Sprung ins Unbekannte, der sich festen Plänen widersetzt und in weiten Teilen ein Blindflug ist, in dem trotzdem das Gefährt gelenkt und Entscheidungen über Methoden ›im Flug‹ getroffen werden müssen«. So sind einige Erhebungs- und auch Präsentationsformen, wie oben beschrieben, aus situativen Gelegenheiten entstanden, die dann spontan ergriffen und entwickelt wurden. Das setzt an einem Gespür an, welches sich qua der offenen Vorgehensweise und Bewegungsfreiheit immer weiter verfeinerte. »Indem wir einem Gespür folgen, sind wir den Dingen mit ihrem Fluidum, ihren sinnlichen Qualitäten, ihren konkreten Bedeutsamkeiten auf der Spur« (Waldenfels 2015, 20). Das Gespür orientiert sich an den Sinnen. Es riecht, schmeckt und tastet sich voran. Forschende, die sich teilnehmend in ein Feld einlassen, tun dies im günstigen Fall nicht bloß mit ihrem Verstand, mit wissenschaftlichen Methodologien oder mit zu überprüfenden Theorien, sondern mit den sinnlichen Qualitäten ihrer Subjektivität. Dementsprechend galt es für die Lehrforschung, nicht nur wissenschaftliche Techniken und Theorien zu vermitteln, sondern deren Entwicklung aus dem Feld heraus mit dem »Körper als Untersuchungsinstrument« (Wacquant 2003 [2001], 270) zu schulen. Die Haltung, die eine solche partizipative Forschung voraussetzt, setzt auf Beteiligung des Feldes am Forschungsprozess und verfolgt das doppelte Anliegen, »soziale Wirklichkeit nicht nur zu verstehen, sondern auch zu verändern« (von Unger 2014, 46).

Um jedoch nicht, wie das Beispiel Wacquants zeigte, allzu distanzlos mit dem Feld zu verschmelzen und im Strom des Geschehens zu versinken, folgten wir einer gängigen Doppelstrategie für teilnehmende Beobachtungen: Tagsüber tauchten wir in das Feld mit all seinen Anforderungen ein, am Abend tauchten wir wieder auf und zogen uns zur systematischen und dialogischen Reflexion zurück. Damit schritten wir vom konkreten Mitspielen der sozialen Praxis einer partizipativen Stadtraumentwicklung zur soziologischen Abstraktion. Der reflektierende Rückzug war ebenso Teil der Forschungspraxis wie die Immersion, das heißt das Eintauchen und Verbundensein mit den Ereignissen und Situationen.

Partizipative Forschung und interaktionistische Ethnografie mit ihren pragmatistischen Grundlagen (Prus und Dellwing 2012, 17ff.) – bei all ihren Unterschieden – rücken Erfahrung als epistemologische Basis in den Mittelpunkt. In Anlehnung an einen »experimentellen Idealismus« (Dewey 2001 [1929], 169) folgten wir der Logik einer »Form gelenkter offener Aktion« (ebd., 168). Gelenkt wurde der ganze Prozess durch die Organisation der 72HUA und das Vorbereitungssemester, in dem kontextbedingt Fragestellungen, Methoden und Theorien erarbeitet wurden, sowie durch spontane Präzisierungen des Feldaufenthaltes durch die abendlichen Reflexionsrunden. Offen war die Aktion dahingehend, dass die Resultate und Widerfahrnisse während der 72 Stunden nicht vorhersehbar waren. In vier Studierendengruppen wurde vier unterschiedlichen Fragestellungen nachgegangen:

Welche Akteure nehmen an dem Festival teil und nach welchen Kriterien werden sie ausgewählt? (Inklusion/Exklusion)

Was ist das »Geheimnis« gelingender Zusammenarbeit bei der kollaborativen Gestaltung lokaler Lebensräume? (Hierarchie/Expertise/Partizipation)

Wie wird die Anwohnerschaft beteiligt und wie reagiert sie auf diese Intervention?

Wie entsteht die Versorgungsstruktur (Logistik der Zeltstadt) und welche Dynamiken und Normen etablieren sich darin (Soziabilität)?

Diese Fragen, die vom übergeordneten Erkenntnisinteresse – »Aktiviert die artivistische Intervention 72HUA eine sich selbst organisierende Stadtgesellschaft und fördert politische Selbstwirksamkeit?« – umklammert waren, leiteten zu Beginn die Bewegungen und Beobachtungen im Feld, wurden aber sukzessiv verflüssigt und differenzierten sich aus. Die vermutete und sichtbar materialisierte Zeltstadt nahm nicht im Geringsten die Rolle ein, die wir ihr hypothetisch zuwiesen, und so schwenkte der Blick auf die Herstellung von Gruppenidentitäten und die kleinen Interaktionen, Vorfälle und Befindlichkeiten innerhalb der einzelnen Teams. Das zugrunde gelegte Erkenntnisinteresse speiste sich aus drei Theoriebezügen, die in einer direkten Wechselwirkung zueinanderstehen: ein Recht auf Stadt (Lefebvre 2016 [1968]), die konkrete Realisierung vermeintlicher Utopien (Wright 2017) und die Kraft eines künstlerischen Weltverhältnisses als Ausgangspunkt gesellschaftlicher Transformation (Menke 2017).

Mit den Fragestellungen, Theoriebausteinen und einer »multimethodische[n] Forschungsstrategie« (Thomas 2019, 53f.) wurden wir Teil des Feldes, leiteten Spaziergänge zu den einzelnen Bauorten an, fuhren mit einem Transporter Material mit verschiedenen Teams, führten Interviews mit politischen und kulturellen Funktionsträgern, improvisierten, wo es nötig war, und versammelten uns jeden Abend, um das gesammelte Material zu sortieren, aufeinander zu beziehen und den nächsten Tag vorzubereiten. Die pragmatistisch orientierte »performative Methodologie« rückt »den praktischen Vollzug und die praktische Relevanz der Forschung als Grundlage für ihre Selbstbeobachtung« (Diaz-Bone 2014, 105) in den Mittelpunkt. Sie nimmt einen responsiven Charakter gegenüber ihrem Forschungsfeld ein. In einem solchen Sinne lässt sich von einer responsiven Feldforschung sprechen. Mit Responsivität ist ein wechselseitiges Antwortverhältnis (vgl. Rosa 2016) gemeint. Fragestellungen, Forschungszugänge und Präsentationsformate reagierten auf die Bewegungen des Feldes und wir bewegten durch unsere Präsenz wiederum das Feld mit.

Perspektiven und Herausforderungen

»Critical arts-based research is active, productive; it performs. The emphasis in this type of research is on doing.«

Finley (2018, 573)

Die Immersion ins Feld, die Koproduktion von Wissen und Praxis, das eigene Aktivwerden, Mitgestalten, Verändern und Verändertwerden, sind transgressive Momente einer Art-based Public Sociology. »Die Sozialwissenschaften erlangen ihre Bedeutung nicht, indem sie versuchen, die Zukunft auf Grundlage von Beobachtungen der Vergangenheit vorherzusagen, sondern weil sie an den Prozessen teilhaben (wollen), die diese Zukunft erschaffen« (M.M. Gergen und K.J. Gergen 2010, 364). Von ästhetischen Interventionen in den öffentlichen Raum können Sozialwissenschaften lernen, wie menschliches Zusammenleben anders, unmittelbarer, spielerischer organisiert werden kann, »on the notion of possibility, the what might be« (Finley 2018, 561). So richtet die hier dargestellte performative Sozialwissenschaft ihren Blick nicht primär auf »soziale Tatsachen«, um deren Entstehungs- und Wirkzusammenhänge nachzuzeichnen, sondern experimentiert aktiv mit anderen, nicht etablierten und verheißungsvollen Praktiken sozialer Interaktion. Experimentelle Utopie und experimenteller Idealismus werden zu Leitmotiven, um »ihre Auswirkungen und Folgen vor Ort« zu untersuchen (Lefebvre 2016 [1968], 155). An dieser Stelle kommt der wissenschaftliche Anspruch zum Tragen, experimentelle Formen des Zusammenlebens mitvollziehend zu begreifen.

Daraus ergeben sich allerdings erhebliche Übersetzungsschwierigkeiten und Evaluierungsblockaden. Lebendige Erfahrungen lassen sich nicht ohne Verluste und Verfremdungen in andere Kommunikationsmedien – wie beispielsweise wissenschaftliche Publikationen – übertragen. Letztlich operiert performative Sozialwissenschaft, ob bewusst oder nicht, an den Grenzen von Realität und Fiktion – sofern diese Unterscheidung überhaupt akzeptiert wird. Auch die nachträgliche Evaluation der »Wirksamkeit« öffentlicher Interventionen ist problematisch. Ganz pragmatisch kann die Wirkungsforschung am Zeitmangel scheitern (wie in diesem Falle); es können Korrelationen postuliert werden, die die Komplexität der Wirkzusammenhänge zu einer Karikatur werden lassen (der Klassiker); oder die Wandlungen vollziehen sich ganz subtil und still (vgl. Jullien 2010), sodass sie keinem Ereignis mehr zugerechnet werden können (und wühlend im Sande verlaufen). Daher wäre performative Sozialwissenschaft in actu zu trennen von der Erforschung ihrer Folgen und Ergebnisse. Ein Ergebnis ist die Art und Weise der Forschung als Ko-Produktion von Wissen und Praxis selbst, ein anderes sind die künstlerischen Kommunikationsangebote, die begonnene Spiele fortführen und/oder andere eröffnen.

Aus Sicht der Lehre und der Einbeziehung Studierender in den Forschungsprozess lassen sich sozialwissenschaftliche Methoden, Theorien und sogenannte »Soft Skills« teilweise spielerisch und unmittelbar während der Erschaffung eines Gegenstandes vermitteln. Aus der anfänglichen Orientierungslosigkeit, was das forschungspraktische Vorgehen sei und was wir überhaupt machen würden, entstand sukzessive Eigeninitiative und intrinsische Motivation. Die Studierenden waren als ganze Person involviert, haben sich ihre eigenen Kompetenz- und Wirkungsbereiche geschaffen und die Erfahrung einer Entstehung des Sozialen in Echtzeit gemacht. Mit Improvisationen übten wir uns auf explorative Weise in einer sozialen und professionellen Bewegungskunst gegenüber einer unsicheren, kontingenten und gestaltbaren Welt – kurz: in einer Kunst des Handelns (Certeau 1988). Damit lernten die Studierenden komplexe Organisationsprozesse in situ kennen und auch, wie unterschiedliche Handlungslogiken dabei aufeinander wirken. »Das Improvisationsvermögen wächst mit der Variabilität der Erfahrungen« (Moldaschl 2017, 64) und das durchlebte Erfahrungsspektrum war umfangreich. Ein solches Improvisationsvermögen erweitert den individuellen Bewegungsrahmen und steigert Selbstwirksamkeitserwartungen. Das kann sich mitunter auch positiv (oder negativ) auf die wissenschaftliche Reputation auswirken.

Die Vielfalt der Erfahrungen schlug sich auch in den angewandten Methoden wissenschaftlichen Arbeitens nieder, was teilweise dazu führte, dass diese in kurzer Zeit eher simuliert als durchgearbeitet werden mussten. Die Herausforderungen, die ein dynamisches und zeitlich limitiertes Forschungsfeld mit sich bringt, verändern und »stören« den traditionellen Gang des Verhältnisses zwischen Lehre, Lernen, Forschung und Publikation. Wissenschaftliche Methoden und Forschungsstrategien mussten an den Forschungsgegenstand beziehungsweise das Feld angepasst werden oder wurden erst aus dem Feld heraus entwickelt (vgl. Blumer 2004 [1969]), wie beispielsweise die Nutzung einer Fahrerkabine als konzentrierter Zeit-Raum zum Führen von Interviews im Stile eines beiläufigen Gesprächs. Hinzu traten Bewegungsversuche und Lernerfahrungen auf unsicherem Terrain der künstlerischen Darstellung von Daten. Eine vertiefte Beschäftigung mit einem Zugang war aufgrund von Zeitzwängen und Improvisationsanforderungen kaum möglich. Einerseits hat dies den Vorteil, dass die Variabilität sozialwissenschaftlicher Annäherungsweisen mit dem Gegenstand koproduziert werden und eine Vertiefung auf Selbststudium und erweckte Eigeninitiative abgestellt werden kann. Andererseits führt methodische Zerstreutheit zu schwer erreichbarer intersubjektiver Validität, Orientierungslosigkeit und Flüchtigkeit – was auch von den Studierenden von Beginn an mit abnehmender Intensität gespiegelt wurde. Nochmals positiv gewendet: Es wird eine sozialwissenschaftliche Methodenvielfalt und die Wahl der jeweiligen Methode als Werkzeug für einen spezifischen Kontext vermittelt.

Performative Sozialwissenschaft ist in dem hier dargestellten Rahmen nicht nur eine Liaison von Kunst und Wissenschaft. In gelungenen Momenten verweist sie auf eine andere Form des Politischen und übt Erfahrungen ein, die ein Zusammenleben vorwegnehmen, das kollaborativ und einschließend von Werten der anerkennenden Wertschätzung des Anderen, der dialogorientierten Abstimmung und sinnstiftender Selbstwirksamkeit getragen sind. So lässt sich auch das Ergebnis der 72 Stunden zusammenfassen, als Sonntag um 16 Uhr das finale Signal Tools Down! ertönte und strahlende Gesichter und euphorische Leiber einander begegneten. In performativer Sozialwissenschaft liegt das Potenzial, ein gelingendes Zusammenleben lebendig und suchend zu erforschen und in hybriden Formen von experimentellen Inseln einer verheißungsvollen Soziabilität zu berichten. Das ist vielleicht ihr pathetischer Auftrag und ihre Hybris.

Anmerkungen

[1]
Statistiken der Stadt Jena: https://statistiken.jena.de/stadtbezirksstatistik.html (zugegriffen am 25.02.2020).
[2]
Durch die enge Zusammenarbeit städtischer Akteur*innen mit lokalen Vereinen und »Insidern« vor Ort sowie enge Kontakte zu einer Forschungsgruppe an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, die regelmäßig Erhebungen im Ortsteil im Auftrag der Wohnbaugesellschaft »jenawohnen GmbH« durchführt, konnten Bedarfsanalysen zügig durchgeführt werden. Auch unsere Forschungsgemeinschaft trug ihren Teil mit Befragungen einiger Anwohner*innen und lokalen Eingeweihten sowie mit Feldbeobachtungen bei.
[3]
https://tinyurl.com/tux5orr (zugegriffen am 25.02.2020).
[4]
Deutsche Fassung: https://tinyurl.com/vs6mvpv">https://tinyurl.com/vs6mvpv (zugegriffen am 25.02.2020). Englische Fassung: https://tinyurl.com/qvvlnnj">https://tinyurl.com/qvvlnnj (zugegriffen am 25.02.2020).

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Der Autor

Robert Jende, M.A. (Soziologie), ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München im Forschungsprojekt »RePair Democracy. Soziale Innovationen als Experimentierfeld demokratischer Mikropraktiken« (https://www.fordemocracy.de/projekte/projekt-02/). Seine Arbeitsschwerpunkte sind Öffentliche und performative Soziologie, Soziale Innovationen und Reale Utopien, Ästhetik, Pragmatismus, Radikale Demokratie, Soziale Transformation, Stadtsoziologie.

Kontakt: Robert Jende, Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften, Am Stadtpark 20, D-81243 München; E-Mail: Robert.Jende@hm.edu