Moralisierungen in Gastfamilien für unbegleitete Geflüchtete

Ines Gottschalk

Abstract



Im Beitrag werden Gastfamilien für unbegleitete Geflüchtete als moralische Handlungsräume verstanden, an die unterschiedliche Orientierungen der Moralisierung, aber auch moralische Werte herangetragen werden. Es wird gezeigt, dass Gastfamilien verschiedene Funktionen einnehmen, wenn sie den Unbegleiteten als Gast oder Familienmitglied verstehen, und dass dadurch auch differente Orientierungen und Werthaltungen anders bearbeitet werden können. Als sich neuformierender symbolischer Handlungsraum obliegt es den Gastfamilienmitgliedern, ihre Orientierungen und Wertvorstellungen im Rahmen alltäglicher Interaktionen auszuhandeln. Entlang einer qualitativen Einzelfallstudie aus Deutschland wird gezeigt, wie Moralvorstellungen, aber auch die Rolle des Unbegleiteten und die damit einhergehenden Spielräume der Moralisierung situativ und fluide mit verschiedenen Akteuren ausgehandelt werden. Davon ausgehend werden allgemeine Überlegungen zu Beziehungsgestaltungen und Subjektumbildungen im Zusammenhang mit Moral(-isierungen) als kontingente Orientierungen und Praktiken hergeleitet.

Schlagworte


Unbegleitete Geflüchtete; Gastfamilie; Interkulturalität; Moral; Beziehungsaushandlung; Identität; Qualitative Forschung

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DOI: https://doi.org/10.30820/0942-2285-2020-2-56