Jenseits des guten Geschmacks?

Rebecca Thrun

Abstract



Der Beitrag fokussiert alltagsweltliche Moralisierungspraktiken im ethisch-moralisch begründeten Veganismus. Mittels der interpretativen Analyse ausgewählter Interviewsequenzen mit Veganer*innen aus Deutschland wird rekonstruiert, inwiefern vegane Überzeugungsarbeit eine gesellschaftskritische Perspektive auf die Normalisierung des Tierkonsums eröffnet. Aspekte der Nachhaltigkeit, Verantwortungsethik und Fürsorge werden von den Interviewpartner*innen angeführt, um die Notwendigkeit individueller und gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu plausibilisieren. Gleichzeitig existieren andere (mitunter unbewusst wirkende) Beweggründe, die Mitmenschen an eigene vegane Sichtund Lebensweisen anzugleichen. Handlungsmacht in der Gestaltung (intimer) sozialer Beziehungen steht dabei kontrastiv zur empfundenen Machtlosigkeit im Kontext (anonymer) gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse des Tierkonsums. Eine Veganisierung des Umfeldes führt nicht selten zu Spannungen im Alltag. Die vegan lebenden Interviewpartner*innen versuchen diesen zu begegnen und greifen dabei präventiv auf erfolgversprechende Strategien veganer Überzeugungsarbeit zurück.

Schlagworte


Veganismus; Verzicht; Affizierung; Verantwortung; Speziesismus; Mitgefühl; qualitative Forschung

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DOI: https://doi.org/10.30820/0942-2285-2020-2-147